Stand: 01.05.2017 17:17 Uhr

Geflügelpest: Stallpflicht aufgehoben

Seit dem 1. Mai ist die Stallpflicht in allen niedersächsischen Landkreisen aufgehoben. Sperr- und Beobachtungsgebiete hat es zuletzt noch in Teilen der Landkreise Cloppenburg und Oldenburg gegeben. Die Stallpflicht galt bis Ende April in den Landkreisen Cloppenburg, Vechta, Emsland, Grafschaft Bentheim, Ammerland und Oldenburg. In den vergangenen Wochen hatte es keine neuen Ausbrüche von Geflügelpest mehr gegeben. Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) handelte es sich dennoch deutschland- und europaweit um die heftigste und längste Geflügelpest-Epidemie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Eine Niedersachsenkarte zeigt die Regionen mit den gerößten Geflügelproduzenten. © NDR

Die größten Geflügelregionen in Niedersachsen

Die Karte zeigt die Regionen in Niedersachsen, in denen die größten Geflügelproduzenten arbeiten. Die Landkreise Emsland, Vechta und Cloppenburg sind Schwerpunkte.

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792.000 Tiere vorsorglich getötet

"Wir freuen uns, dass die Tiere wieder raus dürfen, aber im Detail sind wir mit der Vogelgrippe noch nicht ganz durch", sagte der Vorsitzende des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes Friedrich-Otto Ripke der dpa. So sei noch nicht klar, wann in den stark betroffenen Gemeinden Garrel und Bösel wieder Puten gehalten werden dürfen. In diesen Orten im Landkreis Cloppenburg grassierte das H5N8-Virus besonders lange. Insgesamt wurden in den vergangenen fünf Monaten 792.000 Tiere getötet, davon 629.000 Puten. Die Tierseuchenkasse hat laut Ripke etwas mehr als 17 Millionen Euro Entschädigungen gezahlt. "Wir werden mit der Tierseuchenkasse darüber reden müssen, wie wir die Rücklagen wieder auffüllen", sagte Ripke. Das Land gebe mehr als 7 Millionen, den Rest müsse die Geflügelwirtschaft aufbringen - 60 Prozent die Putenhalter, 40 Prozent die anderen Geflügelhalter. Eine Rückzahlung innerhalb eines Jahres würde die Putenhalter in Existenznot bringen, so Ripke.

Hintergrund: Geflügelpest und Vogelgrippe

Vogelgrippe-Viren können in zwei Formen bei Hausgeflügel und Wildvögeln auftreten: als gering krankmachende Form (niedrigpathogen) oder stark krankmachende Form (hochpathogen). Wenn sich die hochpathogene Form, die meist zum Tod der Vögel führt, wie eine Seuche ausbreitet, sprechen Experten von Geflügelpest.

Hochpathogene Influenzaviren sind zum Beispiel die Subtypen H5N1, H5N5 und H5N8. Letzteres tritt derzeit im Norden vermehrt auf. Bislang sind keine Fälle bekannt, dass sich Menschen mit H5N8 angesteckt haben. Das Risiko wird als sehr gering eingeschätzt. H5N5 ist ein Mischvirus, das sich durch die Vermengung von H5N8-Viren mit anderen H5-Stämmen bildet. Der Subtyp H5N1 gilt als besonders aggressiv und ist auch auf den Menschen übertragbar.

Verluste für Geflügelhalter

Zudem habe es Verluste gegeben, weil wegen der langen Aufstallungszeit Eier aus Freilandbetrieben nicht als Freilandware, sondern nur als billigere Bodenhaltungseier gehandelt werden durften. Der Einzelhandel habe sich erst mit Verzögerung darauf eingelassen, die betroffenen Eier zu höheren Preisen zu vermarkten. Wer sich gegen wirtschaftliche Schäden versichert hatte, dürfte zudem mit steigenden Versicherungsprämien rechnen. "Die Geflügelhalter haben sich vorbildlich verhalten", nahm Ripke seine Verbandsmitglieder gegen Vorwürfe in Schutz, dass bei der Biosicherheit geschlampt worden sei. Jeder Verdachtsfall sei sofort gemeldet worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.05.2017 | 09:00 Uhr

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