Stand: 19.09.2015 12:56 Uhr

Bauern-Protest: "Wir sind keine Tierquäler"

Unter dem Motto "Perspektive statt Agrarwende" haben am Freitag rund 4.000 Landwirte aus ganz Niedersachsen in Hannover ein Zeichen gegen die Politik der rot-grünen Landesregierung gesetzt. Das waren doppelt so viele wie zunächst erwartet. Ihre Kritik war deutlich formuliert: Die Agrarwende gefährde ihre Existenz und Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) diffamiere obendrein den Berufsstand. Der vom Landvolk organisierte Protestzug mit 150 Traktoren machte zunächst am Landwirtschaftsministerium halt und zog dann weiter Richtung Innenstadt. Am Ministerium gaben die Demonstranten einen symbolischen "Blauen Brief" ab. "Das ist eine Vorwarnung von uns", sagte Landvolk-Präsident Werner Hilse - während die Protestler riefen: "Meyer muss weg!"

"Wir sind Bauern mit Tradition und Familien"

"Wir sind keine Tierquäler, wir vergiften keine Brunnen. Wir sind Bauern mit Tradition und Familien zu Hause", sagte Hilse auf einer Kundgebung. Die Bauern bräuchten Perspektiven, schließlich sei die Landwirtschaft der zweitwichtigste Wirtschaftszweig im Land. Der Landvolk-Präsident hatte vorab beklagt, dass Minister Meyer die Verbraucher mit polemischen Begriffen wie "Massentierhaltung" und "Agrarindustrie" verunsichere. Der Minister müsse sich wieder mehr an Fakten orientieren und weniger emotional agieren. Eine Kritik, die das Ministerium zurückwies: Meyer gehe es nicht um die Diffamierung der Landwirte. Er habe aber das Recht, Missstände zu benennen. Der Protest sei nicht nachvollziehbar, so ein Sprecher.

Schlechte Perspektiven für Agrarwende?

Landwirte unter Dauerkritik

Die Landwirtschaft steht nach Meinung des Landvolks unter gesellschaftlicher Dauerkritik: Die Anforderungen an die Bauern in Bezug auf Umwelt-, Natur- und Tierschutz stiegen stetig. Außerdem seien viele Erzeugerpreise in den vergangenen Monaten drastisch in den Keller gegangen. Und auch der Wegfall des russischen Marktes sei eine große Belastung für die Landwirte. Kritik an ihrem Protest kam von der Landeschefin der Grünen, Meta Janssen-Kucz: Der Verband schade den Bauern, da er die veränderten Wünsche der Verbraucher nicht wahrhaben wolle. Minister Meyer bekam wohl wenig von der Kritik an seiner Politik mit, denn am Freitag diskutierte der Niedersächsische Landtag auf Antrag der Opposition über die Agrarpolitik. Ein Thema, bei dem für Meyer Anwesenheitspflicht galt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.09.2015 | 13:00 Uhr