Stand: 07.02.2017 15:08 Uhr

Wachmänner streiten Misshandlungen ab

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Die beiden angeklagten Wachleute sollen drei Flüchtlinge mit Faustschlägen traktiert haben.

Zwei Mitarbeiter eines Wachdienstes sollen Ende 2015 in einer Lingener Flüchtlingsunterkunft drei pakistanische Flüchtlinge eingesperrt und schwer misshandelt haben. Die Lingener Staatsanwaltschaft wirft den 36 und 28 Jahre alten Männern gemeinschaftliche Körperverletzung und Freiheitsberaubung vor. Am Dienstag begann vor dem Amtsgericht der Prozess. Die Angeklagten bestritten die Tat.

Opfer belasten Angeklagte

Er habe zusammen mit einem Kollegen mehrere Male in der Nacht nach den Männern geschaut, sagte der 36-Jährige vor Gericht. Der 28-Jährige räumte lediglich ein, die Männer eingesperrt zu haben. Er habe zudem nur auf Anweisung gehandelt, weil die Männer in einen Streit um ein verschwundenes Handy verwickelt gewesen seien. Opfer schilderten jedoch, dass sie jeweils allein mit heftigen Faustschlägen misshandelt worden seien - zumindest von einem der Angeklagten. Eines der Opfer warf dem 28-Jährigen vor, ihm unter anderem die Nase gebrochen zu haben. Der andere Angeklagte hingegen habe sie nur geschubst oder teilnahmslos zugesehen.

Erst über ein Jahr später publik

Die Tat soll sich im Dezember 2015 zugetragen haben. Doch erst vor Kurzem wurde der Fall publik. Warum so spät? Die Polizei begründet das mit der teils chaotischen Situation in den Erstaufnahmeeinrichtungen Ende 2015. Verständigungsprobleme und die Suche nach den Zeugen, die sich zwar schnell gemeldet hatten, aber dann verlegt wurden, hätten zu Verzögerungen in den Ermittlungen geführt, heißt es auf Nachfrage des NDR.

Konfuse Angaben und Verständigungsprobleme?

Wie ein Sprecher der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim dem NDR mitteilte, hatten sich Zeugen unter den Flüchtlingen bereits zwei Tage nach dem Vorfall an die Polizei gewandt. Dabei seien die Angaben aber sehr konfus und von starken Verständigungsschwierigkeiten geprägt gewesen. Außerdem seien die Flüchtlinge zu der Zeit gerade verlegt worden, so der Sprecher. Erst Wochen später habe der Sachverhalt geklärt werden können; der Abschlussbericht sei am 12. März 2016 erstellt worden. Durch diese zeitliche Verzögerung hätten die Ermittler vor Ort den Fall nicht an die Pressestelle weitergegeben - und die Polizeiinspektion selbst erst mit der Prozessankündigung des Amtsgerichts davon Kenntnis erlangt. Dem Innenministerium in Hannover blieb der Fall bisher verborgen. Man habe dazu keine Erkenntnisse, weil die Unterkunft nicht vom Land Niedersachsen betrieben wird, sondern vom Landkreis Emsland, sagte der Sprecher des Ministeriums, Matthias Eichler, NDR.de.

Faustschläge gegen Kopf und Körper

Laut Staatsanwaltschaft passierte der Übergriff am Abend des 20. Dezember 2015 in der damals als Flüchtlingsunterkunft genutzten Sporthalle des Gymnasiums Georgianum. Die beiden Angeklagten sollen ihre drei Opfer zunächst im Umkleidebereich in einen Toilettenraum eingeschlossen und anschließend eines nach dem anderen herausgeholt und ihre Köpfe und Körper mit Faustschlägen malträtiert haben. Einer der Männer soll von den Sicherheitsleuten auch mit dem Kopf gegen eine Wand geschlagen worden sein. Die Pakistaner erlitten der Anklage zufolge unter anderem Prellungen und einen Nasenbeinbruch. Eines der Opfer soll durch Schläge gegen den Kehlkopf beinahe das Bewusstsein verloren haben. Daraufhin riefen die Angeklagten Sanitäter hinzu, die dem Opfer Sauerstoff verabreichten, so die Staatsanwaltschaft. Beendet war das Martyrium der Männer damit aber noch nicht: Sie seien erneut in die Toiletten gesperrt und erst am nächsten Morgen befreit worden.

Weitere Verhandlungstermine am Lingener Amtsgericht sind für den 14. und 17. Februar angesetzt.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 07.02.2017 | 14:30 Uhr