Asbestmüll-Transporte: Pro und Contra in Wunstorf
Der weitaus größere Teil der Asbest-Abfälle soll von Wunstorf-Luthe aus auf die Deponie Ihlenberg in Mecklenburg-Vorpommern gebracht werden.
Sollen rund 170.000 Tonnen Asbestmüll von Wunstorf-Luthe aus quer durch Norddeutschland zu zwei Deponien nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gefahren werden? Und wie gefährlich ist der Sondermüll eigentlich für die Gesundheit der Anwohner? Über diese und weitere Fragen haben am Donnerstag Gegner und Befürworter des geplanten großen Transportprojekts im niedersächsischen Wunstorf diskutiert, ihre Argumente Pro und Contra ausgetauscht. Die NDR Info Reporter Carsten Vick und Kathrin Schmid hatten unter dem Titel "Eine Asbestmüllhalde zieht um" Mitgliedern der Bürgerinitiative Wunstorf, mehreren Befürwortern der Transporte und weiteren Interessierten aus Wunstorf die Möglichkeit gegeben, sich live am Mikrofon zu äußern. In den Gesprächen zeigte sich: Die geplanten Transporte bleiben ein großes Streitthema.
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Wie sieht es auf der Asbestmülldeponie in Wunstorf aus - und warum soll der Müll abtransportiert werden? Fragen an den Projektleiter Christian Poggendorf und an Gegner des Transports von den NDR Info Reportern Kathrin Schmid und Carsten Vick.
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Proteste sorgen für Verzögerungen
NDR Info Reporter Carsten Vick (r.) im Gespräch mit Axel Priebs von der Umweltbehörde der Region Hannover.
Der Asbestabfall soll in den kommenden Monaten von der Deponie in Wunstorf-Luthe (Region Hannover) zur Deponie Ihlenberg in Mecklenburg-Vorpommern und nach Rondeshagen in Schleswig-Holstein gebracht werden - soweit der ursprüngliche Plan der Region Hannover. Doch die Transporte verzögern sich nach heftigen Protesten von Umweltschützern und Anwohnern. Vor allem die Tatsache, dass der Asbest-Abfall mit bis zu 7.000 Lkw-Fahrten ohne staubdichte Verpackung transportiert wird, sorgt für Unmut. Rüdiger Hergt von der Bürgerinitiative Wunstorf wies einmal mehr auf die nach seiner Ansicht "irrsinnigen Gefahren" des Transports hin und kritisierte die Art des Aufladens mit Baggern. "Es ist kein Gift, das frei wird, aber krebserregende Chemikalien", so Hergt. Die Bürgerinitiative fordert deshalb eine nachhaltige Sanierung der bestehenden Deponie, und auch in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wächst der Protest gegen die Transporte.
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Mehr als 7.000 Lkw-Ladungen sollen den Asbestmüll nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bringen. Doch wie gefährlich ist das? Fragen an Anwohner und Experten von Carsten Vick und Kathrin Schmid.
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Verwitterung und Verwehung von Asbest-Staub befürchtet
Projektleiter Carsten Poggendorf von der Region Hannover antwortete auf die Frage, ob er garantieren könne, dass keine Gefahr für Anwohner und Umwelt beim Transport des Mülls besteht, dass man umfangreiche Vorarbeiten und Messungen durchgeführt habe. Für die Umweltbehörde der Region Hannover gibt es keine Alternative zum Transport an andere Standorte. In Wunstorf-Luthe stellte die Baustofffirma Fulgurit bis 1990 Asbest-Produkte her. Die zum Teil jahrzehntealten Abfälle lagern bislang auf der betriebseigenen Deponie, auf einer provisorisch mit Mulch ummantelten Halde.
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Ich bin für die Transporte und ich denke bei vernünftiger Betrachtung ist die absolute Mehrheit der Wunstorfer Bürger auch dafür. Warum: Die Halde ist Sondermüll und gehört daher auf die dafür geschaffenen Sondermülldeponien. Außerdem gefährdet und wird weiterhin die Halde die Umwelt gefährden. (...) Wenn es um unsere Gesundheit geht, ist der jetzt mögliche Abtransport die beste Lösung (...). mehr
Im Moment bestehe in Wunstorf laut Poggendorf zwar keine Gefahr, aber auf Dauer sei der Zustand dort nicht hinnehmbar, da die Asbestfasern durch Verwitterung und Verwehung in die Umwelt - auch ins Grundwasser - gelangen könnten. Außerdem soll auf der Fläche der jetzigen Deponie in Zukunft ein Gewerbegebiet entstehen. "Die Alternative besteht für uns nur darin, die Halde abzutragen und umzulagern", so Poggendorf. Dass wirtschaftliche Gründe für die geplanten Transporte eine Rolle spielen, wie von Transportgegnern wie Rüdiger Hergt behauptet, wiesen Axel Priebs von der Umweltbehörde der Region Hannover und der Wunstorfer Stadtrat Felix Becker zurück. Das Geld für die Transporte werde nur investiert, um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, so Priebs. Becker geht davon aus, dass die Transporte noch im Februar oder März beginnen können.
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Sind Sicherheitsaspekte der Grund für die Asbestmüll-Transporte - oder stehen wirtschaftliche Gründe dahinter? Fragen an die Bürgerinitiative Wunstorf sowie an Verantwortliche der Region Hannover und der Stadt Wunstorf.
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NDR Fernsehen: 45 Min
Die giftige Faser ist in Deutschland verboten. Doch Asbest kehrt zurück - offenbar ganz legal. Die 45-Min-Doku hat sich auf die Spurensuche nach Herstellern und Produkten begeben. mehr