Neue Vorwürfe gegen Wulff
Neuer Ärger für Christian Wulff: Hat er von Sponsorenwerbung seines damaligen Sprechers Glaeseker für die Lobbyveranstaltung "Nord-Süd-Dialog" wirklich nichts gewusst?
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Undurchsichtiges Beziehungsgeflecht: David Groenewold, Olaf Glaeseker und Christian Wulff (v.l.nr.)
Die Affäre Christian Wulff nimmt kein Ende - immer wieder tauchen neue Fragen auf. So auch durch eine gemeinsame Recherche von NDR Info und dem NDR Fernsehen. Im Mittelpunkt neben dem heutigen Bundespräsidenten: sein ehemals enger Vertrauter Olaf Glaeseker und der Filmunternehmer David Groenewold, der Wulff gerne unter die Arme gegriffen hat, und zwar mehr als bisher bekannt war. Eine Firma, an der Groenewold beteiligt ist, hatte 2006 eine Bürgschaft des Landes Niedersachsen erhalten. Gibt es da einen Zusammenhang?
Das CDU-Mitgliederheftchen "Magazin für Niedersachsen" ist nicht gerade bekannt für bunte Themen. Im Juli 2005 geht es allenfalls um die Nienburger Spargelkönigin. Oder um eine Personalbörse für Bürgermeisterkandidaten. Auf den Seiten 22 und 23 wird es aber plötzlich grell: Die Schauspieler Erkan und Stefan tauchen da auf, in einer Werbung für den Film "Der Tod kommt krass". Hinter den Anzeigen steckt Filmunternehmer Groenewold. Damals, 2005, suchte Groenewold in auffälliger Weise die Nähe von Christian Wulff. Und griff, um Wulffs Niedersachsen-CDU zu unterstützen, tief in die Tasche: 20.000 Euro zahlte Groenewold für zwei Anzeigenseiten - das ist für den Zeitungsmarkt ein weit überdurchschnittlicher Preis. Ein Freundschaftsdienst? Groenewolds Anwalt schreibt auf Nachfrage: "Die Anzeigenschaltung war mit keiner Zusage oder Gegengeschäft verbunden. Eine geschäftliche Beziehung mit Herrn Wulff hat es nie gegeben."
Vermittelt hat die Anzeige seinerzeit die Chefin des CDU-Blattes Vera Glaeseker, die Frau von Wulffs langjährigem Sprecher Olaf Glaeseker. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Bestechlichkeit. Ob Glaeseker auch geschäftlich mit Groenewold verbunden war, ist nicht klar. Aber Groenewolds Interesse an Wulff und seinem Vertrauten sei sehr eindeutig gewesen, sagt ein langjähriger Weggefährte des Unternehmers: "Groenewold hat auf jeden Fall gehofft, dass er über Wulff einen Fuß in die Politik kriegt, in welcher Form auch immer." Ende 2006 erhielt eine Filmfirma, an der Groenewold beteiligt ist, eine Bürgschaft des Landes Niedersachsen. Die Höhe: vier Millionen Euro. Groenewolds Anwalt und auch die Landesregierung beteuern, die Bürgschaft habe mit Groenewolds Beziehungen zu Wulff und Glaeseker nichts zu tun. Groenewolds Anwalt schreibt: "Die Landesbürgschaft wurde mit dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium verhandelt. Zu keinem Zeitpunkt war Herr Groenewold bei Verhandlungen anwesend oder involviert."
Christian Wulff zeigte sich bei seinem Urlaub auf Sylt im Jahr 2008 offenbar auch gerne öffentlich - hier mit Gastronom Jürgen Gosch.
Den Kontakt zu Wulff hielt der Filmunternehmer aber weiterhin. Im Sommer 2008 schlendert Wulff mit seiner Frau Bettina durch Kampen auf Sylt. Das Paar wohnt in einem Appartement, das einer Gesellschaft gehört, an der die Frau des CDU-Politikers und Konzertveranstalters Peter Schwenkow beteiligt ist. Die Organisation erfolgte laut Groenewolds Anwalt durch Groenewold beziehungsweise seine Filmfirma Odeon Film AG. Alle Beteiligten beteuern, Wulff habe die Kosten alleine getragen. Der damalige Ministerpräsident habe auf Sylt Groenewold mehr als 1.200 Euro Bargeld gegeben. Merkwürdig daran: Wulff und Schwenkow haben sich in jenen Tagen auch persönlich getroffen. Warum vermittelte ausgerechnet Groenewold? Die Antwort des Groenewold-Anwalts: Die Wulffs hätten sich diskret einquartieren wollen auf Sylt. Was Wulff aber nicht daran hinderte, sich mit lokalen Größen fotografieren zu lassen. Groenewolds früheren Geschäftspartner wundert der Sylt-Trip nicht: "Er hat oft gesagt, dass er ja am Wochenende nach Niedersachsen zu Wulff fahre, zum Geburtstag oder so was. Oder: 'Am Wochenende bin ich auf Sylt und treffe Wulff.' Der Name Wulff ist durchaus auch im Zusammenhang mit Urlauben oder anderen Aktivitäten wie Hochzeit oder Geburtstag gefallen."
Geschäftlich genutzt hat die Charmeoffensive Groenewolds bei Wulff jedoch eher nicht. Die von Groenewold gegründeten Medienfonds laufen offenbar schlecht. Die Anleger werden wohl nach Einschätzung von Insidern einen großen Teil ihres angelegten Geldes - fast 70 Millionen Euro - nicht wiedersehen.