Hannover: Grüne stark - FDP "erschüttert"
Die Grünen haben in der Region Hannover extrem zugelegt. Ähnlich groß ist ihr Jubel auch in Nienburg und Schaumburg. Bad Pyrmont und Coppenbrügge werden trotzdem schwarz. mehr
Der gebürtige Hamburger lebt seit fast 25 Jahren in Hannover.
Der neue niedersächsische SPD-Landeschef Stephan Weil ist seit dem Jahr 2006 Oberbürgermeister der Stadt Hannover. Davor war der 52-Jährige in der Landeshauptstadt jahrelang für die Finanzen zuständig - als Stadtkämmerer. Vor seiner politischen Karriere studierte Weil an der Universität Göttingen Jura. Er arbeitete zunächst als Rechtsanwalt, später dann als Staatsanwalt und Richter, unter anderem am Amtsgericht Hannover. Seit 1987 ist Weil mit seiner Frau Rosemarie verheiratet. Das Paar hat einen Sohn. Seit knapp 25 Jahren lebt Weil mittlerweile in Hannover und ist mit seinem Job als Oberbürgermeister nach eigenem Bekunden mehr als zufrieden.
Obwohl er als Finanzfachmann sieht, dass alle Kommunen in den nächsten Jahren unter striktem Spardruck stehen, fordert Weil, in Bildung zu investieren: "Wir werden wegen des demografischen Wandels weniger junge Leute haben. Daraus folgt geradezu zwingend, dass wir diese optimal fördern müssen. Weniger Menschen werden künftig für unsere Gesellschaft zu sorgen haben. Es ist deshalb im Interesse aller in dieser Gesellschaft, dass das gut funktioniert."
Wenn Stephan Weil nicht im hannoverschen Rathaus ist, dann hält er sich oft nur wenige Hundert Meter entfernt auf: im Stadion von Hannover 96. Seit Jahren hat er kaum ein Heimspiel verpasst. Und auch bei der Premiere der "Roten" in der Europa-League war der erste Mann der Stadt natürlich mit dabei. "Ich gehe jetzt seit 44 Jahren ins Stadion. Ich bin also fast mein ganzes Leben Fan der Roten, und es ist das erste Mal, dass wir international unterwegs sind. Und wenn ich da nicht dabei wäre, dann könnte ich mir das wohl mein ganzes Leben nicht verzeihen."
Weil trat als Nachfolger von Herbert Schmalstieg ein schweres Erbe in Hannover an.
Vielleicht hat Weil auch im Stadion gelernt, was "Bürgernähe" bedeutet. Denn er trat, gerade was den Punkt Popularität angeht, in große Fußstapfen. Sein Vorgänger, Herbert Schmalstieg, war eine hannoversche Institution. 34 Jahre lang war der SPD-Politiker im Amt. Kein anderer Oberbürgermeister in Deutschland hielt länger durch. Und kaum ein anderer war so beliebt. Seine eigene Form von Bürgernähe konnte Stephan Weil aber gut vermitteln. Im Kommunalwahlkampf etwa startete er eine Kneipentour durch die Stadt.
Jetzt führt Weil die SPD als Landesvorsitzender in den Landtagswahlkampf und soll gegen den niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister von der CDU antreten. Dabei könnte Weil zugutekommen, dass er schon immer über den hannoverschen Tellerrand geschaut hat: im Präsidium des niedersächsischen und deutschen Städtetages. Und als bundesweiter Vorsitzender der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik.