Twitter, Facebook, Google+ und mehr: In Niedersachsen kämpfen die Parteien im Netz aktiv um Stimmen für die Landtagswahl. Und da ist die zeitgleiche Online-Debatte zwischen CDU und SPD deutlich angriffslustiger, als das TV-Duell zwischen David McAllister und Herausforderer Stephan Weil.
Die SPD in Niedersachsen begleitete das TV-Duell im NDR Fernsehen bei Twitter und sendete Zitate sowie zahlreiche eigene Kommentare.
Auch die CDU twitterte parallel zum TV-Duell. Vorwürfe von SPD-Spitzenkandidat Weil, die CDU habe in ihrer Amtszeit die Schulden in die Höhe getrieben, ließ sie nicht auf sich sitzen. Wenig später twitterte sie: "Die wahren 'Schuldenkönige' sind Rote und Grüne" - dazu ein Link zu einer parteieigenen Seite.
Je länger das TV-Duell dauerte, desto ungehemmter wirkten die Kommentare. Angriffslustig zeigte sich vor allem die SPD und bezeichnete McAllister als "blutleer und maskenhaft". Die Duellanten selbst waren während der Live-Debatte im Fernsehen deutlich zurückhaltender.
Nach dem TV-Duell bescherte sich die CDU mit diesem gezielten Tweet vermutlich zahlreiche Seitenaufrufe. Dass mit Gerhard Schröder nicht der ehemalige Bundeskanzler der SPD aus Hannover gemeint war, war schließlich nur durch Anklicken der Seite herauszufinden.
Schnell war die SPD: Kurz nach dem TV-Duell sendete Stephan Weil eine persönliche Video-Botschaft an seine Facebook-Freunde. Er sah sich als Sieger.
Den Sieg im TV-Duell nahm auch David McAllister für sich in Anspruch und schickte einen kurzen Tweet mit seinen Eindrücken. CDU und SPD veröffentlichten zudem vor allem auf Facebook Links zu verschiedenen Umfragen zum TV-Duell.
Die Niedersachsen-FDP hat gut 1.600 Follower bei Twitter. Man erreiche vor allem parteinahe Bürger, so Generalsekretär Gero Hocker. Das Senden eigener Botschaften steht dabei offenbar im Vordergrund. Interaktion in Form von direkter Ansprache gibt es nicht.
Facebook bietet gute Möglichkeiten, mit Bildern zu kommunzieren. Auf der Seite von FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner werden regelmäßig Fotos gepostet - Birkner auf Wahlkampf-Tour in Niedersachsen. Facebook sei informativer als der Kurznachrichtendienst Twitter, meint Gregor Hackmack von Abgeordnetenwatch.de.
Auf dem Twitter-Account von Grünen-Spitzenkandidatin Anja Piel ist viel Bewegung. Sie verbreitet Kurznachrichten anderer mit sogenannten Retweets und antwortet bei Fragen persönlich und zeitnah.
Auch für die Landes-Grünen bieten die sozialen Medien die Möglichkeit, "zielgenauer Personen anzusprechen, die sich für grüne Politik interessieren", wie Christian Günther vom Presseteam erklärte. So steht das Senden eigener Botschaften auch hier im Vordergrund.
Wie man die eigenen Anhänger im Internet mobilisiert, zeigen vor allem die Piraten. Die Partei kommuniziert nicht nur über soziale Medien, sie koordiniert auch den Wahlkampf unter anderem über Twitter.
Sucht jemand Hilfe beim Plakatieren, für Info-Stände oder andere Aktionen, verbreitet sich der "Hilfe-Tweet" schnell. Wer eine Frage stellt, bekommt eher mehrere Antworten, als dass er darauf sitzenbleibt. 77 Prozent der niedersächsischen Piraten besitzen einen Twitter-Account.
Eine App für Smartphones zur Landtagswahl soll potentielle Wähler informieren. Das Wahlprogramm und die Kandidaten werden unter anderem darin vorgestellt.
Die Linken in Niedersachsen haben unter allen Landesverbänden die meisten Facebook-Freunde - gut 3.000. Bei Twitter sind sie erst seit Dezember aktiv. Eine Piratin hatte einen Linken-Account angelegt und darüber getwittert - inzwischen wurde dieser übergeben und die Linken bedankten sich für die unerbetene Online-Wahlkampfhilfe.
"In der Öffentlichkeit werden sie gar nicht wahrgenommen", sagt Gregor Hackmack über die Freien Wähler. Auf der Internetplattform Abgeordnetenwatch.de hat die Partei mehr als 80 Prozent der Bürgerfragen beantwortet. Und sie twittern seit September intensiv. Doch im Internet allein könne man keine Wahl gewinnen, so Hackmack.