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Ulf Dunkel will im Fall seiner Wahl auf sein Mandat verzichten.
Die Wahlzettel sind gedruckt, die Briefwahl hat begonnen. Bis zur Landtagswahl in Niedersachsen sind es keine drei Wochen mehr. Bisher hat sich im Wahlkreis Cloppenburg auch der Grüne Ulf Dunkel Hoffnungen auf einen Platz im neu gewählten Landes-Parlament gemacht. Diese Hoffnungen sind nun dahin. Denn Dunkel hat mit einem im Internet veröffentlichten selbst geschriebenen Gedicht zur Beschneidung von Jungen scharfe Kritik hervorgerufen. Im Fall seiner Wahl werde der Landtagskandidat auf sein Mandat verzichten, sagte Michael Jäger, Sprecher des Cloppenburger Kreisverbandes, gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Seine Kandidatur könne Dunkel aber aufgrund der bereits gedruckten Wahlzettel nicht mehr zurückziehen.
In dem Gedicht hatte der Grünen-Kandidat Dunkel getextet: "Wetzt das Messer, singt ein Lied, ab die Vorhaut von dem Glied" und weiter "Bist Du für ein intaktes Glied, so bist Du gleich ein Antisemit." Außerdem bezeichnete Dunkel Juden und Muslime, die an der Beschneidung festhalten, als "Arschlöcher" und "blinde Fanatiker". Auf seiner Facebook-Seite forderte er, Deutschland müsse aufhören, Sondergesetze für Juden zu machen. Denn nicht die Religion solle entscheiden, sondern das gleiche Recht für alle.
Nach Angaben des Cloppenburger Kreisverbandes wurde Dunkel nach diesen Äußerungen heftig angegriffen: Er sei an den Pranger gestellt worden, habe darüber hinaus telefonische Morddrohungen erhalten, hieß es vonseiten der Cloppenburger Grünen. "Viele höchst aggressiv agierende Privatpersonen, einige prominente Grüne und der Vorsitzende des Zentralrats der Juden hatten in diesem Zusammenhang den Landesvorstand aufgefordert, den Kandidaten Dunkel 'zurückzuziehen'", schreibt der Kreisverband auf seiner Internetseite.
Die Landesvorsitzende der Grünen, Anja Piel, sagte NDR 1 Niedersachsen, dass Dunkel schon vor Wochen zum Verzicht auf die Kandidatur aufgefordert worden sei. Zudem sei ihm schon damals angekündigt worden, dass rechtliche Schritte gegen ihn geprüft würden. Das können zum Beispiel eine Rüge oder auch ein Parteiausschluss sein.
Am Neujahrstag entschuldigte sich Dunkel in seinem Blog für das Gedicht: In der Debatte über religiöse Beschneidung sei es ihm "leider nicht immer gelungen, die richtigen, maßvollen Worte zu finden". Er bitte "die Menschen jüdischen Glaubens, aber selbstverständlich auch die Menschen muslimischen Glaubens" um Entschuldigung. Auf Facebook hatte Dunkel bereits Mitte Dezember erklärt, dass es ihm leidtue, falls er Anlass zu Missverständnissen gegeben haben sollte. Er "begrüße ausdrücklich jüdisches und muslimisches Leben auch in Deutschland", hatte er geschrieben. Er verurteile nur die Beschneidung und kritisiere die, die sie befürworteten.
Kreisverbandssprecher Jäger sagte NDR 1 Niedersachsen, dass Dunkel mit seinen Äußerungen über das Ziel hinausgeschossen sei. In der Sache stünden die Cloppenburger Grünen aber schützend vor dem Kandidaten. Sie seien auch scharfe Kritiker der Beschneidungspraxis bei Juden und Muslimen. Dumpfe Fremdenfeindlichkeit bei Dunkel zu vermuten, sei abwegig, so der Cloppenburger Kreisverband. Da aber einige von Dunkels Texten im Internet abfällig und verletzend gewesen seien, begrüße der Vorstand die Entscheidung des Kandidaten, sich aus dem Wahlkampf zurückzuziehen.
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