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Rechte Hooligans: Das unterschätzte Problem

von Torben Börgers, Philipp Hennig & Andrej Reisin

Nur Hooligans und Ultras? In deutschen Stadien ist Rechtsextremismus ein Problem. © dapd Fotograf: Joerg Sarbach Detailansicht des Bildes Sind Ultras und verbotene Pyrotechnik wirklich das größte Sicherheitsproblem in deutschen Stadien? Seit Monaten diskutieren Medien und Politik über Gewalt in deutschen Fußballstadien: Das verbotene Anzünden von Pyrotechnik im Stadion, das Betreten des Spielfeldes, Auseinandersetzungen mit der Polizei oder gegnerischen Fans dominieren die Diskussion.

Kümmert sich noch jemand um die Neonazis?

Größtenteils verloren gegangen ist dabei der Fokus auf eine der traditionell gewalttätigsten Gruppierungen in und rund um die Stadien: Rechtsextreme Fans und Hooligans, die nicht nur die Gewalt mit anderen Fans suchen, sondern auch Fans des eigenen Vereins attackieren, wenn diese versuchen, gegen Rassismus und Diskriminierung im Stadion vorzugehen.

Eigentlich wäre es höchste Zeit für die Deutsche Fußball-Liga (DFL) auf das Thema Rechtsextremismus in deutschen Stadien klar und deutlich zu reagieren. Und das Sicherheitskonzept "Sicheres Stadionerlebnis" wäre dafür die perfekte Chance gewesen. Doch die Chance wurde nicht genutzt.

Rechte Hooligans: Das unterschätzte Problem

Panorama 3 - 11.12.2012 21:15 Uhr

Rechtsradikale Fans und Hooligans spielen im Sicherheitskonzept der DFL kaum eine Rolle. Dabei sammelt sich gerade dort ein nicht zu unterschätzendes Gewaltpotential.

Verabredete Schlägereien - mit Hakenkreuzen auf der Brust

Viele rechtsextreme Gruppen verabreden sich mit den Hooligans anderer Vereine zu Prügeleien abseits des Stadions an abgelegenen Orten - im Wald oder auf der Wiese - oft in aller Herrgottsfrühe. In selbstgedrehten Videos von Prügeleien im Wald, die Panorama 3 vorliegen, inszenieren sich einige der Schläger ganz offen als Neonazis: Auf ihren Pullovern tragen sie deutlich erkennbar Hakenkreuze. Es sind Bremer Hooligans, von denen zumindest einige auch in der Neonazi-Szene aktiv sind.

Angriffe auf Andersdenkende

Der Leiter des Fanprojekts von Werder Bremen, Thomas Hafke, kann diesen Eindruck bestätigen: "Das sind Nazis, die aber auch als Hooligans hier in Bremen aktiv sind." Viele der Bremer Hools haben inzwischen vom Verein Stadionverbot erhalten - weichen deshalb auf Wald und Wiesen aus - auch, um sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen. Früher jedoch waren sie auch im Stadion und in der Fanszene deutlich präsent. Vor einigen Jahren überfielen einige von ihnen die Räume des Fanprojekts im Ostkurvensaal des Bremer Weserstadions.

Leiter Fanprojekt Werder Bremen Thomas Hafke  Detailansicht des Bildes Thomas Hafke, der Leiter des Fanprojekts Werder Bremen, berichtet davon, dass Nazis und Hooligans eine Feier antirassistischer Jugendlicher stürmten - es gab zwei Schwerverletzte. Dort fand gerade eine Party von antirassistischen Werder-Fans statt. Thomas Hafke erinnert sich: "Die Nazis und Hooligans sind in den Raum reingestürmt, haben die hier feiernden Jugendlichen bedroht und sind dann auch sofort auf einzelne Leute losgegangen, von denen sie wussten, dass diese sich besonders gegen Rassismus und Diskriminierung engagieren. Die wurden dann teilweise zusammengeschlagen, es gab zwei Schwerverletzte."

Doch die Justiz braucht lange, um den Fall aufzuklären, für Hafke zu lange: Am Ende werden die Täter 2011 nur zu Geldstrafen verurteilt, ihre politische Gesinnung und Motivation spielen im Urteil keine Rolle. Kein Wunder, dass sich die Hooligans davon nicht abschrecken lassen: Erst im Mai 2012 sollen einige der Täter von damals wieder zugeschlagen haben. Sie beteiligten sich auf der Rückfahrt von einem Fußballspiel, das sie gemeinsam mit befreundeten Hooligans aus Essen besucht hatten, an einem Überfall auf ein Jugendzentrum in Wunstorf bei Hannover.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 11.12.2012 | 21:15 Uhr

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Rechte Hooligans: Das unterschätzte Problem

11.12.2012 | 21:15 Uhr
NDR Fernsehen: Panorama 3

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