Dossier: Der Streit um die Atomkraft
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Das Atomkraftwerk Stade wird komplett abgerissen.
Still ist es auf dem Gelände des Atomkraftwerks Stade, zu hören ist nur Vogelgezwitscher. Es wirkt ein wenig verlassen. Doch der erste Eindruck bei der Ankunft an der Einfahrt täuscht. Obwohl das AKW bereits seit vielen Jahren stillgelegt ist, wird täglich hart an einem Mammutprojekt gearbeitet: dem Rückbau des Kernkraftwerks. Der Atommeiler wird Stück für Stück zerlegt. Das Ziel lautet: zurück zur "grünen Wiese".
Das Atomkraftwerk Stade war 1972 ans Netz gegangen und wurde im November 2003 abgeschaltet. Nach Angaben des Betreibers E.ON waren dafür rein wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend. Kurze Zeit später wäre wegen des im Jahr 2001 von der Bundesregierung beschlossenen Atomausstiegsgesetzes so oder so Schluss gewesen: Die festgelegte Reststrommenge hätte laut E.ON etwa noch für ein knappes Jahr gereicht.
Der Abbau eines Atommeilers ist Schwerstarbeit. Hunderttausende Tonnen Beton und Stahl müssen zerlegt werden. Ein extrem komplexer und zeitaufwendiger Prozess, wie Kraftwerksleiter Michael Bächler im Gespräch mit NDR.de erklärt. "Sie sägen ständig an dem Ast, auf dem sie sitzen." Einerseits werde alles abgebaut, andererseits müsse gleichzeitig die Infrastruktur aufrechterhalten werden. Das erfordere eine genaue Abstimmung und Verzahnung der Abläufe, sagt Bächler.
Der Rückbau unterliegt rigiden Sicherheitsvorschriften - auch deshalb dauert er so lange. Insgesamt arbeiten auf dem Gelände derzeit täglich rund 450 Menschen, 130 E.ON-Mitarbeiter sowie 320 Beschäftigte weiterer Firmen. Im nuklearen Kontrollbereich gelten strenge Auflagen. Die Bekleidung muss am Ein- und Ausgang gewechselt werden, die Strahlenbelastung der einzelnen Mitarbeiter wird genau kontrolliert, um die Grenzwerte einzuhalten.
Insgesamt werden unter dem Strich mehr als zehn Jahre vergehen, bis der Atommeiler komplett von der Bildfläche verschwunden ist. E.ON rechnet mit Kosten von 500 Millionen Euro; die Baukosten hatten umgerechnet 150 Millionen Euro betragen.
Der Abbau der Anlage ist in vier Phasen unterteilt und wird von den zuständigen Behörden streng überwacht. Jede einzelne Phase ist genehmigungspflichtig. Für das AKW Stade liegen mittlerweile alle vier Genehmigungen vor, der Abbau ist bereits weit fortgeschritten. Nach einer Nachbetriebsphase begann im Jahr 2005 der Rückbau der nuklearen Anlagen. Die Brennelemente waren bereits zuvor entfernt und in die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague gebracht worden.
In der ersten Phase wurde im Kontrollbereich Platz geschaffen und nicht mehr benötigte Komponenten abgebaut; unter anderem Flutwasserbehälter und Druckspeicher. Zusätzlich entfernten die Arbeiter nichtnukleare Anlagenteile wie Frischdampf- und Speisewassersystem, Notstromdiesel, Turbinen und Generatorkomponenten. In der zweiten Phase erfolgte unter anderem der Abbau der vier je mehr als 160 Tonnen schweren Dampferzeuger.