Stand: 02.11.2014 10:00 Uhr

Niedersachsen: Giftiger Bohrschlamm im Boden

von Alexa Höber
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Giftiger Bohrschlamm - eine Gefahr für das Grundwasser?

In Niedersachsen liegen Zehntausende Tonnen giftiger Bohrschlamm in ländlichen Gebieten - teilweise nur 260 Meter neben einem Naturschutzgebiet. Das haben Untersuchungen des unabhängigen Labors Agrolab im Auftrag von Markt ergeben. Aufgrund der gemessenen Werte müssen jetzt dringend Maßnahmen ergriffen werden. Wissenschaftler zeigen sich besorgt. Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) nimmt die Ergebnisse ernst. Der Umfang des Schadens und die Verursacher müssten nun geklärt werden.

Bohrschlamm wurde früher in Gruben gefüllt

Bei der Öl- und Gasförderung gelangt immer auch kontaminierter Bohrschlamm an die Erdoberfläche. Heute wird dieser in der Regel von zertifizierten Unternehmen entsorgt. Doch früher wurde der Bohrschlamm häufig direkt neben den Förderanlagen in Gruben gefüllt. In Niedersachsen gab es Hunderte solcher Gruben. Das bestätigt die zuständige Aufsichtsbehörde, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover gegenüber Markt. Aus der Bergaufsicht sind diese Gruben jedoch meist längst entlassen, da angeblich keine "gemeinschädlichen Einwirkungen eintreten werden".

Mineralölkohlenwasserstoffe in großer Menge gefunden

Markt hat an verschiedenen Stellen, wo vor Jahrzehnten Bohrschlamm in Gruben gefüllt wurde, Bodenproben nehmen lassen und Mineralölkohlenwasserstoffe gefunden. Der höchste Wert wurde nördlich von Stemmen, nahe des Naturschutzgebietes Tister Bauernmoor, an der ehemaligen Versenkbohrung Kallmoor Z1 gemessen: 53.000 Milligramm pro Kilogramm Mineralölkohlenwasserstoffe im Boden. Der empfohlene Maßnahmenschwellenwert der Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) liegt bei maximal 5.000 Milligramm pro Kilogramm.

Experte fordert Untersuchung des Grundwassers

"Mineralölkohlenwasserstoffe in so hoher Konzentration sind eine Gefahr für das Grundwasser. Mit Mineralöl kontaminierte Böden gehören nicht in die Landschaft", lautet die Einschätzung von Professor Wolfgang Calmano, Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. "Man hätte in diesem Fall die Bohrschlämme auskoffern und fachgerecht entsorgen müssen. Das Mindeste, was man heute tun müsste, wäre an diesem Ort Grundwasseruntersuchungen durchzuführen. Es ist schon sehr verwunderlich, dass nach 50 Jahren noch Öl in solch hohen Konzentrationen im Boden zu finden ist."

Zuständiger Landkreis verweist auf eigene Untersuchungen

Zuständig ist laut LBEG der zuständige Landkreis Rotenburg. Der teilt Markt auf Anfrage mit, dass in der Bohrschlammgrube der Bohrung Kallmoor Z1 ungefähr 7.000 Kubikmeter Bohrschlamm eingelagert wurden. Der Landkreis schreibt, der Bereich wurde gerade erst am 18. September 2014 kontrolliert, allerdings habe man nichts gefunden: "Es wurden weder bei der ehemaligen Bohrschlammgrube noch der ehemaligen Bohrung Hinweise auf Ölverunreinigung gefunden." Die aufwendigen Bodenuntersuchungen von Markt belegen dagegen, dass der Boden stark kontaminiert ist und Maßnahmen erforderlich sind.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 03.11.2014 | 20:15 Uhr