Stand: 21.07.2017 15:11 Uhr

Saleem Ashkar spielt Beethoven

Ludwig van Beethoven: Klaviersonaten
von Saleem Ashkar
Vorgestellt von Franziska von Busse
Bild vergrößern
Saleem Ashkar

Alle 32 Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven in acht Konzerten: Mit diesem Zyklus war der israelisch-palästinensische Pianist Saleem Ashkar in dieser Saison auf Tournee. Aber das war nicht irgendeine Tournee, sondern eine an die wichtigen Orte seines Lebens. Von Berlin aus, wo er lebt, zum Beispiel nach Israel, wo er geboren ist, oder nach England, wo er studiert hat. Im Frühjahr war er Gast bei NDR Kultur, und hat auch von diesem Projekt erzählt. Jetzt soll Saleem Ashkars Beethoven-Zyklus auch nach und nach auf CD erscheinen; Teil eins ist fertig und auf dem Markt - unsere CD der Woche.

Der Weg eines Komponisten zu sich selbst

Die 32 Beethoven-Klaviersonaten markieren den Weg eines Komponisten zu sich selbst. Vom jungen Mann, der ehrgeizig sein Können beweisen will, auch als Virtuose, hin zum absoluten Original. Einem Musiker, der viele Klänge nur noch in seinem Inneren hört, der aber dafür einen scharfen Blick gewonnen hat für das große Ganze, aber auch für das ganz Kleine. Und das ist das Schöne an dieser ersten Folge von Saleem Ashkars geplanter Gesamtaufnahme: Sie verharrt nicht erst einmal beim Anfang, sondern sie zeichnet in Teilen diese Entwicklung schon nach.

Weitere Informationen

Saleem Ashkar sucht Kontexte bei Beethoven

27.03.2017 13:00 Uhr

Im Konzert verbindet unser Gast Saleem Ashkar sein Klavierspiel gerne mit Gesprächen und Filmbeiträgen. Denn der Pianist will sich nicht nur auf die Musik beschränken. mehr

Angefangen bei zwei frühen Sonaten - Nr. 3 und Nr. 5 - über die berühmte "Mondscheinsonate", die Nummer 14, bis hin zu einem der letzten drei großen Klavierwerke Beethovens: der E-Dur-Sonate op. 109, der Nr. 30. Ashkar hat alle 32 Sonaten in den vergangenen Monaten immer wieder gespielt. Jede einzelne hat er genau im Kopf. Und das merkt man beim Hören dieses ersten Achtels haargenau: Er sortiert jede an ihre Stelle. Er verwandelt sein Spiel mit. In den beiden frühen Sonaten lässt er beinahe überall durchklingen, wie sehr der junge Beethoven noch von seinen großen Vorbildern Haydn und Mozart geprägt war.

Die richtige Gewichtung mit großer Sensibilität

Danach muss man die CD wechseln und ist sofort in einer anderen Welt. "Sonata quasi una fantasia", das ist der Beiname, den Beethoven selbst seiner "Mondscheinsonate" gegeben hat. Saleem Ashkar lässt den ersten Satz sehr schlicht fließen, ohne große Dynamikschwankungen, ganz im Vertrauen auf das innere Leuchten der Musik und den warmen Klang seines Bechstein-Flügels. Auch der kurze Mittelsatz ist eher zurückhaltend. Aber dann: Der Ausbruch im Finale. Beinahe hätte man nicht mehr damit gerechnet. Es ist auch dieses Abwägen, dieses Gewichten: "Wo gebe ich alles, wo deute ich nur an?", die Saleem Ashkars Beethoven-Interpretation spannend macht, zusammen mit einer großen Sensibilität für unterschiedliche Klangfarben.

Saleem Abboud Ashkar © Monika Ritterhaus, Berlin

Die CD der Woche

Der israelisch-palästinensche Pianist Saleem Ashkar hat mit großer Sensibilität vier Beethoven-Sonaten eingespielt, darunter die "Mondscheinsonate" - unsere CD der Woche.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Die vielen harten Schnitte in Beethovens Musik fordern immer wieder ein blitzschnelles Umschalten, gleichzeitig muss aber der Bezug erhalten bleiben. Und genau das gelingt Saleem Ashkar. Aber er kann auch loslassen, wenn eine Melodie viel Raum braucht. Ein Gefühl wie von Glück und Trauer gleichzeitig bleibt zurück nach dem Hören des Variationssatzes, mit dem die Sonate op. 109 endet. Und damit ist Beethoven zum Schluss auch noch in Richtung Zukunft verankert: In Richtung der Musik von Franz Schubert. Der letzte Ton klingt lange, lange nach - und auch diese Aufnahme bleibt bestimmt eine Weile im Gedächtnis.

Ludwig van Beethoven: Klaviersonaten

Genre:
Klassik
Label:
Decca

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 24.07.2017 | 06:40 Uhr