Stand: 17.05.2017 21:21 Uhr

Bistum Hildesheim: Transparenz wird zum Dilemma

von Florian Breitmeier

Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat das Vorpreschen des Bistums wegen eines möglichen Missbrauchfalls an der katholischen Marienschule am Mittwoch kritisiert. Das Bistum hatte am Dienstag unter anderem bekanntgegeben, dass neben den kirchlichen Ermittlungen auch Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden sei. Die Diözese steckt nach der zögerlichen Informationspolitik bei früheren Missbrauchsvorwürfen offenbar in der Klemme. Offenbar wollte das Bistum unbedingt den Eindruck vermeiden, dass man aus früheren Fällen nichts gelernt habe. Ein Bistumssprecher erklärte auf Nachfrage, man habe die Öffentlichkeit angemessen und zeitnah bei Wahrung der Persönlichkeitsrechte informieren wollen.

Staatsanwaltschaft: "Wenig hilfreich"

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sei es nicht hilfreich für die Ermittlungen, wenn Betroffene und deren Umfeld Kenntnis von einer Strafanzeige hätten, bevor die Polizei zu Vernehmungen vorgeladen habe, sagte die Sprecherin der Hildesheimer Staatsanwaltschaft, Christina Pannek, NDR Kultur. Wenn an einer Schule ein Lehrer und eine Schülerin fehlten, könne das im Umfeld zu Nachfragen und Spekulationen führen. Das sei nicht gut, so die Staatsanwältin.

Pädagoge soll Übergriff eingestanden haben

Das Bistum Hildesheim hatte mitgeteilt, dass der Pädagoge einen sexuellen Übergriff gegenüber einer Schülerin eingestanden habe. Daraufhin habe man den Mann fristlos entlassen und Strafanzeige gestellt. Die Öffentlichkeit wäre besser nach den polizeilichen Vernehmungen informiert worden, sagte Staatsanwältin Pannek. Für den Lehrer gelte derzeit die Unschuldsvermutung.

Eltern: "Fall trägt Unruhe in die Schule"

Auch von Seiten der Eltern, deren Kinder Schüler an der Marienschule sind, kommt Kritik. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe des möglichen Missbrauchs trage Unruhe von außen in die Schule. Das sei für die Schüler, die sich beim Abitur auf der Zielgeraden befinden, störend, rügten einzelne Eltern.

Die Marienschule in Hildesheim gibt es seit 1846, also seit mehr als 170 Jahren, Träger ist die Stiftung katholische Schule in der Diözese Hildesheim, aktuell werden rund 900 Schüler von knapp 80 Lehrern unterrichtet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kulturnachrichten | 17.05.2017 | 17:00 Uhr