Stand: 11.12.2015 18:43 Uhr

Projekt Arterhaltung: Drille sollen's (voran)treiben

von Claus Halstrup

Sie haben ziemlich viel Platz in ihrem neuen Außengehege in der Afrikatierwelt "Takamanda": 2.400 Quadratmeter für sieben Affen, genau gesagt für Drille. Das klingt zunächst nach viel Raum für wenige Tiere. Aber sie sollen sich vermehren, das ist das große Ziel des Osnabrücker Zoos. Denn die Drille mit ihrem braun-beigen Fell, scharfen Eckzähnen und recht roten Hinterteilen gehören zu den am stärksten bedrohten Primaten in ihrer Heimat, dem afrikanischen Regenwald.

Zoo hofft schon jetzt auf trächtige Weibchen

In Osnabrück ist nun mit sieben Tieren die größte Drillgruppe innerhalb des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms zusammengebracht worden. Und es herrscht weitestgehend Einklang. "Klar ärgern sie sich, und bei den Männchen gibt es auch die typischen Rangkämpfe", erklärt Revierleiter Wolfgang Festl. Die gute Stimmung sei schon daran zu erkennen, dass bereits jetzt drei Weibchen tragend sein könnten. Das zumindest hoffen Pfleger und Zooleitung. Und vielleicht liegt es auch an der imposanten Erscheinung des Clan-Chefs. "Aku" ist leicht zu erkennen: Er ist der größte Drill, die Größe seine Kopfes ist beeindruckend, der Genitalbereich leuchtet von rot bis lila. Ein Drill-Männchen wird bis zu 35 Kilogramm schwer, während es die Weibchen gerade mal auf die Hälfte bringen.

Drill: Dickes Fell und rotes Hinterteil

Nicklichkeiten zwischen Büffel, Drill und Meerkatze

Ganz allein sind die Drille aber nicht. Sie teilen sich ihren Auslauf mit einigen Rotbüffeln und drei Dianameerkatzen, einer anderen Affenart, die im direkten Vergleich mit den Drillen das Sagen haben. "Es ist spannend zu beobachten, wie die verschiedenen Tiere interagieren. Andauernd wird irgendwo auf dem Gelände gepiesackt. Ein Drill ärgert einen Rotbüffel oder eine Meerkatze einen Drill", sagt Festl amüsiert. Im Großen und Ganzen sei die Stimmung aber richtig gut. "Mit dem Ergebnis dieses Experiments sind wir alle sehr zufrieden", sagt Zoodirektor Michael Böer über den Erfolg. Für ihn ist die Aufzucht der Drills ein wichtiges Projekt: "Laut einer Freilanduntersuchung gibt es nur noch rund 2.500 Tiere mit einem Lebensraum von 30.000 Quadratkilometern", erläutert der Direktor.

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Zoodirektor Michael Böer erklärt, weshalb die Zuchtgruppe der Drille wichtig ist. Sie stehen auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten. Video (01:49 min)

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Abwechslung für die Drille im Zoo Osnabrück

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