Stand: 12.10.2016 21:43 Uhr

Masterplan Ems: Wenzel zufrieden - Kritik bleibt

Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) sprach von einer besonderen und hochinteressanten Situation, als er sich am Mittwoch selbst ein Bild von den Forschungsarbeiten an der Ems gemacht und das Emssperrwerk bei Gandersum (Landkreis Leer) besucht hat. Seiner Einschätzung nach kommen die Vorbereitungen für den Masterplan Ems gut voran. Das umstrittene Konzept soll die Wasserqualität im stark verschmutzten Bereich der Unterems wiederherstellen. Die Stickstoffbelastung in der Ems ist zu hoch, das Wasser trüb, der Boden bedeckt mit Schlick. Der Fluss ist seit Jahrzehnten aus dem Gleichgewicht. Der Masterplan Ems wurde vor eineinhalb Jahren von Land, Kommunen, Umweltverbänden und Papenburger Meyer Werft auf den Weg gebracht. Der Umweltminister forderte bei seinem Besuch, mit Blick auf eine geplante Vertiefung der Ems am niederländischen Eemshaven, eine länderübergreifende Strategie.

 

Machbarkeitsstudien Ende des Jahres abgeschlossen?

Bis zum Jahr 2050 sieht der Masterplan Ems vor, dass flusstypische Lebensräume und Flächen für den Wiesenvogelschutz angekauft werden. Das sorgte gerade bei Landwirten aus der Region immer wieder für großen Protest. Außerdem soll das Emssperrwerk als Schlickbremse umgebaut werden - so sieht es der Plan vor. Ob das alles sinnvoll ist, sollen Studien zeigen - sie sollen "wie geplant Ende 2016 abgeschlossen sein und dann dem Lenkungskreis vorgelegt werden", sagte Thorsten Kuchta. Er ist Sprecher der zuständigen Geschäftsstelle beim Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems in Oldenburg. In dem Gremium müsse anschließend einstimmig entschieden werden. "Die Empfehlung des Lenkungskreises ersetzt kein öffentlich-rechtliches Genehmigungsverfahren", betonte Kuchta.

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Masterplan Ems: Ökonomischer Unsinn?

Dietrich Rupert ist ehemaliger NLWKN-Mitarbeiter und kritisiert den Masterplan Ems. Pläne zur Verbesserung der Wasserqualität seien "herausgeschmissenes Geld" und zum Teil illegal. (02.10.2016) mehr

Umbau des Emssperrwerk

Ob ein Umbau des Sperrwerks tatsächlich ermöglicht, den Schlick aus der Ems zu bekommen, ist offen: "Die ersten Ergebnisse der Machbarkeitsstudien zu den Maßnahmen am Sperrwerk stimmen hoffnungsvoll, dass die Schritte dazu geeignet sind, das Ziel Verbesserung der Wasserqualität zu erreichen", sagte Franz-Josef Sickelmann, Landesbeauftragter für Weser-Ems. Ende des Jahres hatte er erste Studien zu Gezeitensteuerung und Schlickreduzierung mit Hilfe des Sperrwerks ankündigt. Untersucht wird dabei auch, ob die Gezeiten mit einer Sohlschwelle im Flussbett vor dem Sperrwerk beeinflusst werden können. Die Alternative ist eine Tidensteuerung mit den Toren. Für beide Varianten müsste allerdings der Schiffsbetrieb für mehrere Stunden täglich unterbrochen werden.

System aus dem Gleichgewicht

Genau der steht ebenfalls seit Jahren in der Kritik: Neben dem täglichen Schiffsverkehr schieben sich auch regelmäßig die neu gebauten Ozeanriesen der Papenburger Meyer Werft über die Ems - wie zuletzt die "Genting Dream". Damit die Schiffe den Fluss in Richtung Nordsee auch problemlos passieren können, muss das Flussbett immer wieder ausgebaggert werden. Die Folge ist ein hoher Salzgehalt und zu wenig Sauerstoff im Wasser. So geriet das Flusssystem über Jahrzehnte aus dem Gleichgewicht. Und auch der Verlauf der Gezeiten ist gestört. Mit der Flut strömt mehr Schlick aus der Nordsee in den Fluss hinein als ihn mit der Ebbe verlässt.

"Keine positiven Ergebnisse sichtbar"

Für die Bürgerinitiative "Rettet die Ems" in Leer sind bislang keine positiven Ergebnisse sichtbar. "Die Ems ist der Fluss mit der schlechtesten Wasserqualität in Deutschland", erklärte Sprecherin Birgit Rutenberg. Und auch von den Maßnahmen sind sie eher nicht überzeugt: Eine Verbesserung durch den geplanten Ankauf von Flächen für den Vogelschutz werde die Lage ihrer Meinung nach nicht verbessern. Von zentraler Bedeutung sei die Steuerung der Tide, betonte sie. Ein erster gescheiterter Versuch am Emssperrwerk habe bereits die Grenzen des Bauwerks aufgezeigt. Auch die angedachte Sohlschwelle sieht die Bürgerinitiative kritisch und verweist dabei auf die Probleme für die Schiffe und Unterbrechung des Fischzugs.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder | 12.10.2016 | 18:00 Uhr

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