Stand: 20.10.2017 14:40 Uhr

Unschuldiger gerät auf Fahndungsfoto

Im Emsland kennt man sich. Und gerade dort, wo das Leben noch nicht völlig anonym ist, kann es besonders schlimm sein, wenn der eigene Ruf ruiniert wird. Wenn bei Nachbarn, Kollegen und Bekannten plötzlich schlimme Gerüchte kursieren. Für einen Mann aus Lingen brach die Welt zusammen, als er ein Foto von sich im Internet entdeckte - und zwar in einem öffentlichen Fahndungsaufruf der Polizei.

Bild aus Videoüberwachung zeigt falschen Verdächtigen

Die Ermittler sind hinter einem bis dato unbekannten Betrüger her. Eine Bank in Lingen hatte gemeldet, dass ein Kunde sich mit gefälschten dänischen Ausweispapieren Kredite habe erschleichen wollen. Die Aufnahmen der Videoüberwachung in der Bank wurden herangezogen - darauf war ein Mann zu sehen, den die Polizei als Verdächtigen ausmachte. Am Mittwoch wurden Bilder des Mannes veröffentlicht, um Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten. So stieß auch der Betroffene auf sein Gesicht auf der Fahndungsliste.

Polizei: "Er scheidet als Täter aus"

Der fälschlicherweise Gesuchte kontaktierte schnellstmöglich die Polizei und konnte "sehr glaubhaft vermitteln", dass er mit der Tat nichts zu tun hatte, wie Polizeisprecher Dennis Dickebohm NDR 1 Niedersachsen sagte. Weitere Ermittlungen hätten dies bestätigt. "Er scheidet für uns als Täter definitiv aus."

Noch unklar, wie der Fehler entstand

Offenbar war der Mann auf dem Bild einfach nur zur selben Zeit in der Bank wie der Betrüger. Er ist unschuldig - doch sein Bild war und ist erst mal draußen in der Welt. 24 Stunden lang war das Fahndungsfoto der Polizei im Umlauf. Internetnutzer haben es gepostet, geteilt, vielleicht irgendwo im Netz gespeichert. Der Betroffene, den der Vorfall sehr mitgenommen hat, hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Die Polizei in Lingen hat alle, die das Bild verbreitet haben, darum gebeten, es zu löschen. Wie es zu dem Irrtum kommen konnte, werde derzeit geprüft, so Sprecher Dickebohm.

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Hallo Niedersachsen | 20.10.2017 | 19:30 Uhr

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