Stand: 24.02.2016 07:35 Uhr

Schweine-Preise: Weil fordert freien Export

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In Niedersachsen werden rund 8,8 Millionen Schweine gehalten. (Themenbild)

Das Russland-Embargo und die Importe aus Spanien machen den deutschen Schweinehaltern zu schaffen. In Osnabrück sind die Mitglieder der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) am Dienstag zusammengekommen, um über ihre schwierige Lage zu reden. Die Preise für Schlachtschweine und Ferkel seien nach wie vor im Keller, hieß es im Vorfeld von der ISN. Die Erlöse deckten nicht die Produktionskosten: Pro Mastschwein machen die Landwirte nach Angaben des Verbandes derzeit 31 Euro Verlust. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) stärkte der Branche am Dienstag den Rücken. Vor den Schweinehaltern sprach er sich für einen Wegfall von Exportbeschränkungen für die Landwirtschaft aus. Die Exportorientierung der niedersächsischen Agrar- und Ernährungsbranche sei ihre Stärke, sagte Weil in Osnabrück.

Niedersachsen soll Schweineland Nummer Eins bleiben

Niedersachsen sei Deutschlands Agrar- und auch Schweineland Nummer Eins, sagte der Ministerpräsident. Das solle auch so bleiben. Ein Zurückdrehen der Industrialisierung der Landwirtschaft auf einen kleineren Maßstab halte er für unrealistisch, sagte Weil. Gleichwohl betonte Weil, dass auch die Landwirte in manchen Bereichen nachbessern müssten. So wies Weil auf die Grundwasserbelastung durch Gülle hin. "50 Prozent der Grundwasserkörper in Niedersachsen befinden sich in einem schlechten Zustand", erinnerte der Ministerpräsident. Ziel müsse es sein, noch mehr Dünger aus den Tierhaltungsregionen Niedersachsens in die Ackerbauregionen zu bringen.

Landwirte klagen: Mehr Zeit im Büro als im Stall

Der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierckes aus Goldenstedt im Landkreis Vechta sieht derzeit kaum noch Zukunftsperspektiven für die Schweinehalter. Er fürchtet, dass ein Niedergang im Raum Weser-Ems weitere Wirtschaftszweige wie Futterhersteller oder Handwerker mitreißen könnte. Die Landwirte klagen zudem über veränderte Anforderungen in Sachen Ökologie und Tierwohl. Beim Umbau von Ställen würden sie von den Behörden behindert, so der ISN-Vorsitzende. Strohhaltung werde einerseits gewünscht, aber nicht genehmigt, weil es keine zertifizierte Filtertechnik für die Stallluft gebe. Auch Betriebe, die von konventioneller auf Biohaltung umstellen wollten, würden oft von den Behörden ausgebremst, klagt Dierckes. Er kritisierte außerdem die immer umfangreichere Bürokratie. Eine Landwirtin aus dem Landkreis Diepholz schätzt, dass sie inzwischen 80 Prozent ihrer Arbeitszeit im Büro verbringt. Das koste viel Zeit und Geld.

Teilnehmerkreis für Initiative Tierwohl soll vergrößert werden

Ministerpräsident Weil bescheinigte den Bauern in seiner Rede ein großes Interesse an der von Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel auf den Weg gebrachten Initiative Tierwohl. Er versprach, dass die Landesregierung sich dafür einsetzen werde, den Teilnehmerkreis zu erweitern. Denn bisher könnten nicht alle Landwirte partizipieren, die dies wollten. Bei der Initiative Tierwohl erhalten Bauern für Investitionen, die die Tierhaltung verbessern, einen Bonus, der unabhängig vom Marktpreis und Vermarktungsweg erfolgt. Finanziert wird die Initiative von teilnehmenden Einzelhandelsketten, die vier Cent je Kilogramm Fleisch in den Fonds zahlen, der die Bauern bedient.

Niedersachsen züchtet fast ein Drittel aller Schweine in Deutschland

In Niedersachsen werden rund 8,8 Millionen Schweine gehalten, von 6.700 Betrieben. Das ist fast ein Drittel des bundesweiten Bestandes. Vor zehn Jahren gab es in Niedersachsen noch 16.000 Betriebe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 23.02.2016 | 09:30 Uhr