Stand: 21.03.2016 09:02 Uhr

Schlachthof in Lengerich weist Vorwürfe zurück

Bild vergrößern
Vor der Schlachtung werden Schweine betäubt. Häufig wird dazu eine Stromzange eingesetzt. (Themenbild)

Ende vergangener Woche hatte die Meldung für Empörung gesorgt: Ein Schlachthof in Lengerich (Landkreis Emsland) soll Schweine vor dem Schlachten nicht ausreichend betäubt haben. Die Tiere sollen vor ihrem Tod erheblich gelitten haben. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat die Ermittlungen aufgenommen, wie Sprecherin Ute Siebert dem NDR bestätigte. Nun hat sich der Schlachthof-Betreiber offenbar in einer schriftlichen Stellungnahme an die Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ, Montagausgabe) gewandt. Demnach weist er die Vorwürfe zurück. Es gebe keine Verstöße tierschutzrechtlicher Art. Dem Bericht zufolge spricht er von "haltlosen Vorwürfen".

Erster Hinweis aus dem Veterinäramt

Den Hinweis an die Staatsanwaltschaft hatte ein Mitarbeiter des zuständigen Veterinäramts gegeben. Weitere Einzelheiten zu dem Fall wollte die Behörde mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht mitteilen. Ein tierschutzrechtliches Gutachten soll nun klären, ob die Vorwürfe berechtigt sind.

Sparmaßnahmen auf Kosten der Tiere?

Vor der Schlachtung werden die Sauen mithilfe von Stromzangen betäubt, bis sie bewusstlos sind. Eine Methode, die Tierschützer ohnehin kritisieren, da sie fehleranfällig sei. "Untersuchungen haben gezeigt, dass mit Strom betäubte Tiere im Laufe des Schlachtprozesses häufiger das Bewusstsein wiedererlangen als bei anderen Betäubungsmethoden", so Marius Tünte, Sprecher des Deutschen Tierschutzbunds, zu NDR.de. Es fehle eine verpflichtende Überprüfung, ob die Tiere tatsächlich bewusstlos sind. In dem emsländischen Betrieb, der sich selbst als zweitgrößter Sauenschlachter Deutschlands bezeichnet, sollen die Gründe für eine möglicherweise nicht ausreichende Betäubung wirtschaftlicher Natur gewesen sein.

Agrarminister: Tierquälerei kein Kavaliersdelikt

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) äußerte sich am Freitag "erschüttert" über die Vorwürfe. Schweine nicht ausreichend zu betäuben, sei "grausame Barbarei und nicht mit Preis- und Kostendruck entschuldbar", so Meyer. Tierquälerei sei kein Kavaliersdelikt. "Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass im betroffenen Schlachthof Schweine ohne ausreichende Betäubung getötet wurden, ist das eine gravierende Tierquälerei, die Konsequenzen haben muss", teilte der Minister mit.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 18.03.2016 | 09:30 Uhr

mit Video

Fleischkontrolleure beklagen Machtlosigkeit

Fleischbeschauer beklagen, dass die Fleischkontrolle teilweise nicht mehr gewährleistet sei. Dadurch gelange auch Fleisch in die Verarbeitung, das aussortiert gehöre. (15.03.2016) mehr

Welchen Weg geht die Landwirtschaft?

Bei der Grünen Woche in Berlin werden Verbraucher- und Umweltschützer erneut lautstark Kritik an der industriellen Landwirtschaft äußern. Ist ein Umdenken der Bauern nötig? (13.01.2016) mehr

Kupierte Schwänze: Studie bringt keine Klarheit

Nur mit viel Aufwand lässt sich das Schwanzbeißen bei nichtkupierten Schweinen eindämmen. Das ist das Ergebnis einer zweijährigen Untersuchung mit 17 Schweinehaltern. (18.11.2015) mehr