Stand: 15.10.2017 10:03 Uhr

Sammelstelle: Rezept gegen Apothekenmangel?

von Hedwig Ahrens
Keine Apotheke im Ort - so sieht die Alternative in Börger im Emsland aus.

Auf dem Land gibt es nicht nur immer weniger Ärzte, auch Apotheken werden rar. Laut der Apothekerkammer ist die Zahl in Niedersachsen seit 2009 um mehr als sieben Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit 28 Jahren gesunken. Ein Grund dafür ist die Konkurrenz durch den Arzneihandel im Internet. Damit Patienten auf Dörfern ohne Apotheke trotzdem an ihre Medikamente kommen, gibt es landesweit 110 sogenannte Rezeptsammelstellen. Zum Beispiel in der Gemeinde Börger im Landkreis Emsland.

Briefkasten an der Hauswand

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An der Hauswand der ehemaligen Hümmling-Apotheke hängt ein Briefkasten und da können Patienten ihre Rezepte einwerfen. Apotheker aus dem acht Kilometer entfernten Nachbarort Sögel leeren den Kasten zwei Mal am Tag und innerhalb von 24 Stunden wird dann das Medikament geliefert. In Börger arbeiten zwei Hausärzte, zwei Zahnärzte, dazu gibt es ein Pflegeheim für Senioren. Die Einwohner aus Börger halten den Rezeptkasten für eine Notlösung. "Im Prinzip reicht das natürlich, wenn man Medikamente kriegt, die man vielleicht jahrelang schon bekommt und man weiß, wie man sie einnehmen muss. Aber die Beratung fehlt natürlich", sagt ein Einwohner.

Kein Erfolg trotz Anschreiben

Die Gemeinde hat Apotheken in den Nachbargemeinden angeschrieben und darum gebeten, in Börger eine Filiale zu öffnen - bislang ohne Erfolg. Woran liegt das? Es ist anscheinend nicht rentabel, die Konkurrenz durch den Arzneiversandhandel im Netz ist groß. Dazu kommen die Rahmenbedingungen für die Apotheken, sagt Börgers Gemeindedirektor Johannes Müller (SPD). Er verweist auf die verbindlichen Öffnungszeiten stationärer Apotheken. Während dieser Öffnungszeiten müsse immer ein Apotheker anwesend sein; zudem müssten die Notdienste abgedeckt werden. Und all das, sagt Müller, mache das Wirtschaften auf dem Land in einer Gemeinde wir Börger mit 3.000 Einwohnern schwer.

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25.000 Euro sollen helfen

Also bleibt der Rezeptkasten als Alternative zu einer Apotheke? Auf Dauer nicht, hofft die Gemeinde. Sie will Apotheker mit einem Zuschuss nach Börger locken, sagt Gemeindedirektor Müller. "Wir haben hierfür jetzt in der kommenden Ratssitzung einen Vorschlag, dass wir 25.000 Euro als Soforthilfe bereitstellen - als Eröffnungszuschuss, quasi. Das Geld ist mit der Auflage verbunden, die Apotheke dann auch über einen gewissen Zeitraum zu betreiben."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 14.10.2017 | 17:00 Uhr

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