Stand: 07.12.2015 21:07 Uhr

Rettungsdienste und Kliniken vernetzen sich

von Britta Nareyka

Das Problem ist nicht neu: Überfüllte Notaufnahmen, überlastete Krankenhäuser und weite Wege für Rettungsdienste gehören oft zum Klinik-Alltag in Niedersachsen. Immer wieder gibt es Meldungen über Kapazitäts-Engpässe, die im schlimmsten Fall die Gesundheit der Patienten gefährden können. Oft liegt die Ursache dafür in einem unflexiblen Meldesystem für die Bettenbelegung. Das niedersächsische Sozialministerium will die Situation für Patienten verbessern und hat dazu das Pilotprojekt "IVENA" gestartet.

IVENA startet zunächst im Raum Osnabrück

Dahinter verbirgt sich eine zunächst kompliziert klingende Erklärung: "IVENA", das ist ein internetbasierter, interdisziplinärer Versorgungsnachweis für Rettungsdienste und Kliniken. Einfacher ausgedrückt geht es dabei um ein elektronisches Meldesystem, das die Behandlungs-Kapazitäten der einzelnen Kliniken erfasst und somit eine schnellere Versorgung der Patienten ermöglichen soll. "Wir starten das Pilotprojekt im Raum Osnabrück und freuen uns, dass sich hier tatsächlich alle Kliniken beteiligen", so Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD).

"Glücksfall" und "Triple-Win-Situation"

Der Clou des Projekts: Einerseits kann dem betroffenen Patienten durch das neue System schnellstmöglich das passende Krankenhaus zugewiesen werden. Und andererseits kann die Klinik sofort sehen: Wann wird wer mit welcher Diagnose bei uns eingeliefert. Von Seiten der Krankenhäuser gibt es bereits erste positive Reaktionen. Bernd Runde von den Niels-Stensen-Kliniken spricht von einem "Glücksfall". Das Projekt biete eine "Triple-Win-Situation", denn profitieren würden neben den Patienten auch die Krankenhäuser und die Rettungsleitstelle. Transparenz sei hier das große Stichwort.

Schnelle Alternativen bei Überlastungen

Auch seine Kollegen vom Klinikum Osnabrück können da nur zustimmen und loben das neue System. Je mehr Informationen die Krankenhäuser erhalten, desto größer sei die Chance, den Patienten auch schnell und bestmöglich helfen zu können. "Das kann Leben retten", sagt auch die Ministerin. Mit Hilfe des IVENA-Systems können alle Beteiligten abrufen, in welchem Krankenhaus noch welche Ressourcen vorhanden sind. So sollen Überbelastungen erkannt und im Notfall eine schnelle Alternative gefunden werden. "Mit diesem System weiß der Rettungsdienst sofort, welches Krankenhaus genügend Kapazitäten hat und in welche Klinik der Notfall entsprechend seiner Erkrankung am besten gebracht wird", so Ministerin Rundt.

Langfristig für ganz Niedersachsen

Bislang meldeten Krankenhäuser im Raum Osnabrück belegte Betten telefonisch bei der Rettungsleitstelle, die diese dann wiederum an die Rettungsdienste weitergeben musste, teilweise sogar per Fax. Dabei kam es immer wieder zu Problemen, wertvolle Zeit wurde somit kostbar verschenkt. "Oft geht es um Sekunden", so die Ministerin. Das Pilotprojekt startet zunächst im Großraum Osnabrück, soll dann aber auf die Region Oldenburg und Hannover ausgedehnt werden. Drei Jahre lang soll es auf Herz und Nieren getestet werden. Kostenpunkt: 400.000 Euro. "Umgerechnet sind das dann nicht mal mehr 300 Euro pro Monat pro Krankenhaus. Das sollte uns unsere Gesundheit doch auf jeden Fall wert sein", so die Bewertung der Ministerin. Langfristig gesehen soll dann ganz Niedersachsen mit den System ausgestattet werden.