Stand: 08.01.2016 13:57 Uhr

Osnabrücker Tafel verteilt Hundefutter an Senioren

In der Weihnachtswoche wollte eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Osnabrücker Tafel einigen Kunden in Georgsmarienhütte eine besondere Freude machen und verschickte ein Wild-Menü "Vom Lande" - eine Fertigmahlzeit im Glas mit edlem Etikett. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" am Freitag zuerst berichtete, war die augenscheinliche Delikatesse jedoch nichts anderes als Hundefutter - unter anderem mit Rehleber und Rehherzen. "Das ist eine Panne, die uns leidtut", sagte der scheidende Vorsitzende der Tafel, Dieter Möllmann, am Freitag. Verzehrt wurde die Mahlzeit nicht, ein Senior hatte sie jedoch bereits in der Pfanne erhitzt. Der Geruch hatte den Mann misstrauisch gemacht. Er holte sich eine Lupe und erkannte dann auch die Hinweise "Feinkost für Tiere" und "Alleinfutter für Hunde" auf dem Glas.

Verpackungs-Hinweise nicht gesehen

Das hochpreisige Produkt wurde offenbar in der Weihnachtszeit kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums vom Handel aussortiert und an die Tafel gespendet. "Unser Lagerleiter sichtet täglich mehrere Tonnen Lebensmittel und möglicherweise hat er aufgrund der Gestaltung der Verpackung nicht bemerkt, dass das Produkt nicht für Menschen vorgesehen ist", so Möllmann. Die Spenden werden dann an verschiedene Regional-Stellen der Tafel verschickt, unter anderem auch nach Georgsmarienhütte. Auch die Mitarbeiterin dort habe die Hinweise auf der Verpackung offenbar nicht bemerkt. Wie viele Gläser versehentlich verteilt wurden, wisse er nicht, sagte Möllmann. "Uns sind nur drei bekannt."

Das Hundefutter selbst bestehe übrigens ausschließlich aus Fleisch in Lebensmittelqualität, so der Hersteller gegenüber der Zeitung. Es sei frei von jeglicher Chemie wie Konservierungs- oder Lockmitteln, der Verzehr für den Menschen vollständig unbedenklich.

Neuer Tafel-Vorstand wird gewählt

Jeder, der Lebensmittel von einer Tafel bekomme, müsse sich die Mühe machen, diese vor dem Verzehr zu überprüfen, sagte Möllmann. "Das sind alles Produkte, die kurz vorm Ablauf der Mindesthaltbarkeit stehen." Da könne es immer sein, dass einige Lebensmittel zum Beispiel schon verdorben seien. Vorstand Möllmann kündigte aber an, dass die Tafel interne Betriebsabläufe überprüfen werde. Allerdings wohl nicht mehr unter seiner Verantwortung. Eine Mitgliederversammlung hat nach Angaben der "NOZ" am Donnerstag überraschend den Vorstand abgewählt. Ein neuer soll am 3. Februar gewählt werden. Hintergrund ist laut Zeitung nicht der Vorfall mit dem Hundefutter, sondern dass Helfer in der Zentrale der Tafel in Osnabrück offenbar selbst Lebensmittel mit nach Hause nehmen dürfen.