Stand: 17.11.2017 10:30 Uhr

Neues Schulfach: Mit MRT im Klassenzimmer

von Claus Halstrup

Es gab sie schon immer, die Überflieger für die Formeln und komplizierte Zusammenhänge in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik kein Problem darstellen. Doch für viele Schüler sind die Naturwissenschaften einfach nur schwere, theoretische Kost. Ein Gymnasium in Osnabrück geht deshalb seit einigen Jahren einen eigenen Weg, um diese Kost so praktisch wie möglich zu vermitteln: In der Ursulaschule werden die Fächer interdisziplinär verbunden, um Schülern die Berührungsängste zu nehmen. Und: Auch die ersten Schritte für ein eventuell folgendes Medizinstudium können so unternommen werden.

Neuer Unterricht: Naturwissenschaft zum Anfassen

Ausrüstung für 66.000 Euro

Tobias Gieschen ist Lehrer für Physik und Biologie an der Schule. Er hat vor einigen Jahren das Seminarfach "Medizinische Physik" in der Oberstufe etabliert. Dort vermittelt er den Schülern ganz praktisch, wie letztendlich alles zusammenhängt. Unterstützt wird er dabei von einer niedersachsenweit einmaligen Ausrüstung: Seit kurzem verfügt das Gymnasium über drei Ultraschallgeräte, ein Magnetresonanztomographie-Gerät (MRT) sowie ein Computer-Tomografie-Modul. Dazu kommt ein kleines Röntgengerät, das schon länger zu Übungszwecken genutzt wird. Etwa 66.000 Euro kostet die neue Ausrüstung, die vor allem von einer Stiftung finanziert wird. Außerdem ist auch die Deutsche Physikalische Gesellschaft mit an Bord.

"Mir ist ein Licht aufgegangen"

Die Schüler sind angetan von der Idee. "Früher habe ich zum Beispiel Physik nie verstanden. Aber jetzt ist mir ein Licht aufgegangen", sagt die 16-jährige Marita. Ihr Mitschüler Simon sagt, Naturwissenschaften seien sowieso sein Steckenpferd. Und: Dies sei eine sensationelle Vorbereitung auf ein späteres Studium der Medizin. Die Schüler stellen zum Beispiel per Ultraschall den Blutfluss eines Arms fest oder untersuchen den Zustand eines Embryos oder einer Brust - alles natürlich an medizinisch aufgearbeiteten Attrappen.

Gedankenlesen per MRT?

Für Gieschen sollen über das Seminarfach prinzipielle physikalische Grundsätze mit medizinischen Fragestellungen verknüpft werden. Etwa: "Kann man per MRT die Gedanken eines Menschen lesen?" Oder: "Lassen sich Nierensteine mit Ultraschall darstellen und behandeln?" "Vor 100 Jahren hätte sich jeder Arzt gewünscht, ein bisschen in den Körper hineinschauen zu können. Und heute ist es sogar bei uns durch diese bildgebenden Verfahren möglich. Gerade die Medizin bietet den Vorteil, dass die Naturwissenschaften so eng miteinander verbunden sind", findet Gieschen.

Einmaliges Angebot in Niedersachsen

Das gesamte Angebot ist einmalig in Niedersachsen, auch dem Kultusministerium in Hannover ist nichts Vergleichbares bekannt. Dabei findet das praktische Seminar nicht nur im Klassenraum statt. Mehrmals im Jahr besuchen die Schüler Arztpraxen im Osnabrücker Raum, um die Geräte auch in der echten Anwendung kennen zu lernen.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 17.11.2017 | 19:30 Uhr

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