Stand: 12.10.2017 11:59 Uhr

Landwirt überlastet - 400 Ferkel verhungert

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Mitarbeiter des Veterinärdienstes fanden in einem Betrieb in Merzen rund 400 verhungerte Ferkel. (Themenbild)

Auf einem Bauernhof in Merzen sind knapp 400 tote Ferkel gefunden worden. Wie der Landkreis Osnabrück NDR.de bestätigte, waren die verhungerten Tiere bereits am 1. August in einem Stall vom Veterinärdienst entdeckt worden. Offenbar war der Betriebsinhaber überlastet. Bei der Überprüfung seien in einem Aufzuchtstall 274 Ferkel-Kadaver entdeckt worden, 50 weitere hätten sich in einem Abhol-Behälter befunden. 55 Ferkel waren so geschwächt, dass sie eingeschläfert werden mussten, wie der Landkreis auf NDR Anfrage bestätigte. Die "Neue Osnabrücker Zeitung" hatte zuerst über den Fall berichtet.

Landwirt litt offenbar an Überlastung

Der betroffene Landwirt hatte die Behörden zuvor selbst auf den Fall aufmerksam gemacht. Wegen einer "temporären, nicht absehbaren Erkrankung" habe er sich nicht mehr ausreichend um seine Tiere kümmern können, sagte Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff. Daraufhin habe der Veterinärdienst umgehend den Betrieb aufgesucht und die Kadaver entdeckt. Insgesamt befanden sich dort den Angaben zufolge rund 1.800 Ferkel. In einem Maststall mit 400 Sauen auf demselben Betriebsgelände habe es keine Beanstandungen gegeben, so Riepenhoff. Wie es auf dem Hof nun weitergeht, ist unklar. Der Merzener Landwirt muss mit einer Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz rechnen.

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Betrieb war zuvor nicht auffällig

Bei einer weiteren Kontrolle einige Wochen später stellten die Mitarbeiter des Landkreises keine Mängel fest. Der landwirtschaftliche Betrieb sei nicht auffällig und die Verwahrlosung der Tiere somit nicht absehbar gewesen, sagte Riepenhoff. Zwar seien im Jahr 2013 bei einer Überprüfung ein Mangel im Boden des Maststalles festgestellt worden, aber das sei "eine Kleinigkeit, Tagesgeschäft", so der Kreissprecher weiter.

Landwirte stehen unter immensem Druck

Nach Angaben der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau sind psychische Erkrankungen und Überlastungssyndrome in der Landwirtschaft auf dem Vormarsch. Genaue Zahlen gebe es dazu jedoch nicht, weil solche Erkrankungen nicht so ohne Weiteres diagnostizierbar seien und die Betroffenen oft auch zögerten, Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Die Familien stehen unter einem immensen Druck", sagte Sprecherin Martina Opfermann-Kersten. Viel Verwaltung, finanzieller Druck und aufwändige Dokumentationspflichten ließen für die ursprüngliche Arbeit auf dem Hof immer weniger Zeit. Die Versicherung will dem Problem mit der Präventionskampagne "Mit uns im Gleichgewicht" begegnen. "Wenn es einmal in Richtung Krankheit geht, bieten wir Hilfe an", so Opfermann-Kersten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 12.10.2017 | 06:30 Uhr

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