Stand: 17.01.2016 14:12 Uhr

Immer größer und gefährlicher: Landmaschinen im Verkehr

von Britta Nareyka

"Setz' dich mal rein in den Trecker und stell' dir alles so ein, als ob du jetzt losfahren wolltest." Trainer Michael Pagel steht mit einer Gruppe von Landwirten auf dem Hof eines Lohnunternehmers in Wagenfeld (Landkreis Diepholz) und gibt Anweisungen. Kurs-Teilnehmerin Anette Schröder hat sich freiwillig bereit erklärt und klettert in den extra bereitgestellten Trecker. Die junge Frau macht es sich bequem - so, wie sie es aus ihrem Alltag gewohnt ist. Doch Pagel nimmt heute jede Kleinigkeit genau unter die Lupe. "Ist diese Position nun optimal?", fragt er die anderen Teilnehmer. "Nee, ich kann ja noch mit den Füßen baumeln", sieht die Landwirtin selbst ein. Gemeinsam mit der Gruppe erarbeiten sie die ideale Sitzposition, in der sie den besten Überblick hat. Denn nur so kann sie auch sicher im Straßenverkehr unterwegs sein. Und genau darum geht es in diesem Workshop mit dem Titel "Alles sicher? Landwirtschaftliche Fahrzeuge im Straßenverkehr".

Achtung, groß und unübersichtlich!

Landwirtschaftliche Maschinen werden immer größer und unübersichtlicher. Ganz egal ob Schlepper, Mähdrescher oder Maishäcksler: Viele der Halter haben längst nicht alle Abmessungen und zugehörigen Vorschriften im Kopf. Darum kann es auch im Straßenverkehr schnell gefährlich werden. Das Landvolk, die Polizeiinspektion und die Verkehrswacht in Diepholz wollen nun gemeinsam gegensteuern. Darum haben sie den Workshop entwickelt, der vor einem Jahr am selben Ort seine Premiere feierte.

Autofahrer rechnen nicht mit kurzem Bremsweg

Nach der richtigen Sitzposition geht's für die Teilnehmer als nächstes um den Bremsweg. Die Landwirte sollen vorher schätzen: Wo kommt der Trecker zum Stehen, wenn er mit 40 Kilometern pro Stunde eine Vollbremsung einlegt? Keine leichte Aufgabe. Vor allem, weil es frisch geschneit hat und die Straße somit rutschiger ist als sonst. Einen genauen Treffer kann zwar keiner der Teilnehmer landen, doch sie sind alle dicht dran. Und wissen: Der Bremsweg eines Treckers ist extrem kurz. Trainer Pagel bestätigt das: "Das sind nur wenige Meter. Ein Autofahrer rechnet nicht damit. Und dementsprechend ist es eben wichtig, dass man Abstand hält und eben auch auf den nachfolgenden Verkehr als Schlepperfahrer achtet."

Bedrohliche Szenarien für Fußgänger

Gleichzeitig sollen sich die Landwirte aber auch in die Situation von Fußgängern oder Radfahrern versetzen. "Wie fühlt sich das an, wenn ein Schlepper vorbeidonnert?", will der Trainer wissen. "Es wirkt schon fast etwas bedrohlich", stellt ein Teilnehmer fest. "Am Steuer, also von oben, merkt man das gar nicht so." Pagel nicht zustimmend: "Dabei war der Trecker jetzt nur mit Tempo 40 unterwegs. Ihr fahrt ja oft noch viel schneller."

Ein Spielzeugtrecker steht vor einer Landwirtschaftsmaschine. © NDR Niedersachsen Fotograf: Britta Nareyka

Groß, laut - und nicht ganz ungefährlich

Hallo Niedersachsen -

Um für mehr Sicherheit und Akzeptanz zwischen Fahrern großer Landmaschinen und anderer Verkehrsteilnehmer zu sorgen, finden in Diepholz entsprechende Workshops für Landwirte statt.

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 Wenige Unfäle - aber mit schwerwiegenden Folgen

Akzeptanz schaffen - auch für andere Verkehrsteilnehmer. Das ist eins der großen Ziele des Workshops. Verkehrswacht, Polizei und Landvolk haben das Konzept gemeinsam entwickelt - um allen Seiten gerecht zu werden. "Wir haben zwar relativ wenige Unfälle mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen, aber durch die Masse- und Geschwindigkeitsunterschiede gibt es bei Unfällen immer schwerwiegende Folgen", sagt Wolfgang Rehling von der Polizeiinspektion Diepholz. Darum sei diese Art der Prävention extrem wichtig. "Wir wollen bei den Landwirten ein bisschen mehr Verständnis für die 'normale' Bevölkerung wecken. Aber eben auch umgekehrt."

"Man sieht ja wirklich nichts direkt vor dem Trecker"

Auch das Thema "tote Winkel" wird ausgiebig bearbeitet - sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Schnell wird deutlich: Viele Details haben die Teilnehmer nie so bewusst wahrgenommen. "Das ist Wahnsinn. Man sieht ja wirklich nichts direkt vor dem Trecker", stellt ein Teilnehmer fest. Um die Dimensionen zu verdeutlichen, haben die Trainer einen Kinder-Trecker direkt vor dem echten Schlepper platziert. Und der ist vom Lenkrad aus kein Stück zu erkennen. "Wenn ihr da oben sitzt, ist ein ganz großer Bereich völlig tot, also nicht sichtbar", erklärt Trainer Michael Krabbe von der Verkehrswacht.

Nachfrage ist groß

Das Fazit der Teilnehmer fällt am Ende durchweg positiv aus. "Besser man informiert sich hier vorher, bevor man von der Polizei festgehalten wird", schmunzelt ein Teilnehmer. Und seine Landwirtschafts-Kollegen können da nur nickend zustimmen. Auch das Landvolk Diepholz bestätigt die positiven Reaktionen. Die Nachfrage nach den Kursen sei riesig, es gebe bereits wieder eine Warteliste. Weitere Workshops sind in Planung - nicht nur im Landkreis Diepholz, sondern in ganz Niedersachsen.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 17.01.2016 | 19:30 Uhr