Stand: 04.11.2015 15:00 Uhr

Illegaler Sender: Radioanarchie an der Grenze

Sie senden, wann und was sie wollen, auf Radio-Frequenzen, die ihnen eigentlich nicht gehören: Die deutsche Piratensenderszene an der deutsch-holländischen Grenze ist erstaunlich jung und ziemlich agil und einfallsreich.

In einem Garten steht eine Antenne. © NDR

Illegaler Sender: Radioanarchie an der Grenze

ZAPP -

Es gibt eine aktive Piratensender-Szene in Deutschland, die sich auch durch die Androhung erheblicher Bußgelder nicht vom Senden abbringen lässt.

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Vor Kurzem hat die Polizei einen 60 Meter hohen illegalen Sendemast in einem Waldstück entdeckt, andere Sendepiraten haben schon mal ein ausfahrbares Modell an der Hauswand, das bei Einsetzen der Dunkelheit einfach hochgekurbelt wird. Sendereichweiten bis zu 70 Kilometern sind möglich, gesendet wird meist ein eigener Party-Musik-Mix fürs Wochenende, mit kurzen kreativen Moderationen und vielen Grüßen aus der Fanszene zwischendurch.

Leidenschaftliche Schwarzfunker

Empfangbar über jedes normale Radio - wenn man die Frequenz kennt oder zufällig darauf stößt. Die Sendeausrüstung der Piraten ist meist aus frei verkäuflicher Funktechnik zusammengestellt, hier und da ergänzt durch eigene Rechner, Computer-Bildschirme, Eigenbau-Geräte oder alte Armee-Sendetechnik. Die Kosten für so eine Privat-Anlage können trotzdem mehrere tausend Euro betragen.

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DJ Störtebecker sendet vor allem für den Kick des Verbotenen.

Die Sendepiraten nennen sich stolz "DJ Störtebeker" oder "DJ Freibeuter" und machen gegenüber ZAPP keinen Hehl aus ihrer Begeisterung für ihr etwas anarchistisches Hobby: "Die Szene ist sehr groß, ich bin zum Beispiel bei WhatsApp in einer Gruppe, wo über 100 Mann drin sind, das kann man sich eigentlich nicht vorstellen, wie viel da los ist in der Piratenszene."

Hohe Strafen drohen

Die Bundesnetzagentur in Bonn sieht das illegale Treiben im Äther dagegen kritisch. Allein im vergangenen Jahr wurden nach ihren Angaben 15 Piratenradios in Deutschland entdeckt und abgeschaltet. Warum, erklärt Fiete Wulff von der BNA gegenüber ZAPP so: "Im Zusammenhang mit Schwarzsendern kann es dazu kommen, dass andere Rundfunkprogramme gestört werden, oder in technisch ungünstigen Konstellationen kann zum Beispiel der Flugfunk gestört werden und das ist dann durchaus ein sicherheitsrelevantes Thema."

In Einzelfällen bauen Polizei und Feuerwehr die entdeckten Sendeanlagen ganz ab und beschlagnahmen sie, Bußgelder können bis zu 50.000 Euro betragen. Die Sendepiraten schreckt das nicht, wegen ihrer relativ kurzen Sendezeiten und doch relativ kleinen Senderreichweiten sind sie für die Behörden schwer zu orten. Und für den Fall der Entdeckung wollen sie für das Bußgeld eben zusammenlegen.

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