Stand: 10.03.2016 16:47 Uhr

Geldautomat gesprengt: Banken erwägen Umrüstung

Die Serie der Geldautomaten-Sprengungen im Westen Niedersachsens reißt nicht ab - trotz zweier Festnahmen und einem Toten nach einer Sprengung in Meppen am Mittwoch. In der Nacht zu Donnerstag brachten Unbekannte nun einen Bankautomaten in Geeste (Landkreis Emsland) zur Explosion. Es ist der 19. Fall dieser Art in der Region seit Sommer 2015. Jetzt überlegen die Banken der Region, wie sie ihre Filialen vor solchen Attacken schützen können. Zwar ersetzt die Versicherung den betroffenen Banken den Schaden. Das sei aber keine Lösung, sagt Harald Lesch, Sprecher der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Raum Weser-Ems, gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Schließlich werden die Versicherungen immer teurer, je mehr Raubüberfälle es gibt. Lesch warnte vor horrenden Versicherungsprämien.

Können Geldautomaten vor Sprengungen geschützt werden?

Derzeit beraten die Banken vermehrt darüber, wie sie ihre Geldautomaten vor den Sprengungen schützen können. So können neuere Geräte eingeleitetes Gas neutralisieren, bevor es explodiert. Welche Sicherheitsmechanismen aber genau in welchen Filialen nachgerüstet werden, darüber schweigen Sparkasse und Volksbanken - aus Sicherheitsgründen, wie sie sagen. In den Niederlanden ist man offenbar schon einen Schritt weiter: Laut Landeskriminalamt (LKA) in Hannover habe es dort vor einigen Jahren ähnliche Probleme mit Sprengungen gegeben wie jetzt in Niedersachsen. Dort hätten die Banken ihre Geldautomaten erneuert und das Problem so weitgehend gelöst, so LKA-Sprecher Frank Federau gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Womöglich seien die Täter daraufhin auf Deutschland ausgewichen.

Besteht Zusammenhang zu anderen Taten?

Genau wie in der Nacht zum Mittwoch im benachbarten Meppen wurde der Geldautomat in Geeste mit einem Gasgemisch gesprengt. Ein Zeuge wurde laut Polizei im jüngsten Fall durch den lauten Knall geweckt. Er habe die Täter nur noch in einem dunklen Fluchtfahrzeug wegfahren sehen. Eine Fahndung nach den Tätern blieb bisher erfolglos. Auch ist unklar, ob es ihnen gelang, Geld zu stehlen. In Meppen waren drei Männer mit ihrem Fluchtfahrzeug verunglückt, nachdem sie einen Geldautomaten gesprengt hatten. Einer von ihnen starb. Gegen zwei Täter ist inzwischen Haftbefehl erlassen worden. Noch ist unklar, ob ein Zusammenhang zwischen den Taten besteht.

Polizei hat Niederländer im Visier

Das LKA geht im Zusammenhang mit den Geldautomaten-Sprengungen von drei Tätergruppierungen aus. Laut LKA-Sprecher Federau kommen diese aus den Niederlanden und Polen. Bei der dritten Gruppe handele es sich um sogenannte Nachahmungstäter. Die Sprengung in Meppen könnte nach Federaus Worten auf das Konto der niederländischen Gruppierung gehen. Diese soll nach Polizeiangaben aus mehr als 200 Mann Personen bestehen.

LKA-Sprecher: "Verbrecher arbeiten mit wechselnden Teams"

Demnach organisieren die Täter aus dem Raum Utrecht heraus Teams mit wechselnden Besetzungen und ohne erkennbare hierarchische Führung. Deshalb sei es schwierig, die gesamte Gruppe dingfest zu machen, sagte Federau weier. Wegen der Serie der Geldautomaten-Sprengungen hat das LKA inzwischen eine Sonderkommission eingerichtet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 10.03.2016 | 17:00 Uhr