Stand: 26.09.2014 19:16 Uhr

Geeste: Bohrloch nach Explosion abgedichtet

Das Erdölfeld Bramberge bei Geeste (Landkreis Emsland) ist erst einmal dicht. Nachdem dort am Dienstag bei einer schweren Explosion vier Arbeiter lebensgefährlich verletzt wurden und das Bohrloch tagelang brannte, haben es Experten am Freitag verschlossen. Laut dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) musste an der Unglücksstelle an einer Winde eine Ersatzkonstruktion aufgebaut werden, da es zu massiven Schäden gekommen war. Unterstützt wurden die Arbeiten von einem Spezialisten für Bohrlochsicherungen aus den USA. Den Verletzten ging es laut einem Sprecher des Ölfeldbetreibers GdF Suez am Freitag unverändert schlecht.

Ölfeld bei Geeste nach Explosion in Flammen

Spezialist aus Texas soll Unglücksursache klären

Derweil geht die Suche nach der Ursache für die Explosion weiter. GdF Suez setzt bei der Aufklärung auch auf den Spezialisten aus Texas. Er sei am Donnerstag am Unglücksort eingetroffen, sagte Unternehmenssprecher Stefan Brieske. Sein Arbeitgeber, das Unternehmen Boots & Coots, ist auf die Bekämpfung sogenannter Blowouts spezialisiert, bei denen Erdöl oder Erdgas unkontrolliert austreten und entflammen. Gegründet wurde Boots & Coots in den 70er-Jahren von Mitarbeitern des legendären Paul Neal "Red" Adair. Der 2004 verstorbene Spezialist gilt noch immer als berühmtester Vertreter der Branche. Er wurde in seiner Feuerwehrmann-Karriere bei besonders schwierigen Bränden zu Hilfe gerufen. Texanische Experten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten bei der Bekämpfung von Bränden und Explosionen auf Ölfeldern weltweit einen Namen gemacht. Unter anderem löschten die US-Fachleute die 1991 im ersten Golfkrieg in Brand geratenen Ölfelder im Irak.

Haben Sicherheitsmaßnahmen nicht gegriffen?

Nach ersten Erkenntnissen sollte laut LBEG bei den Wartungsarbeiten ein Sicherheitsventil am Bohrloch ausgetauscht werden, das einen solchen Unfall verhindern sollte. Dabei sei Gas entwichen, das sich im Kontakt mit Sauerstoff entzündet habe. Daraufhin sei es zur Explosion gekommen, so der LBEG-Sprecher. Wie es zu dem unkontrollierten Gasaustritt kam, soll nun der Experte feststellen. Eine mögliche Ursache könnten nach Angaben des Sprechers nicht funktionierende Sicherheitsmaßnahmen sein. Geprüft werden solle auch, ob menschliches oder technisches Versagen für den Unfall verantwortlich gewesen ist.

Rätselraten an der Unglücksstelle

Konzernsprecher Stefan Brieske wollte am Donnerstag nicht darüber spekulieren, wieso das Gas unkontrolliert austreten konnte. "Wir möchten die Ergebnisse abwarten, die die Ermittlungen zeigen werden", sagte er. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) machte sich am Mittwoch ein Bild von der Lage an der Unglücksstelle. "Ich erhoffe mir von den Ermittlungen Erkenntnisse, um in Zukunft die Risiken weiter minimieren zu können", sagte Lies. "Unser Ziel muss es sein, die Erdölförderung noch sicherer zu machen."

Explosion am Dienstagabend

Sieben Arbeiter von GdF Suez und von Subunternehmern waren mit den Wartungsarbeiten am Bohrloch beschäftigt, als es am Dienstagabend zur Explosion kam. Nach Angaben der Feuerwehr liefen die Männer daraufhin zunächst in alle Richtungen davon. Vier von ihnen seien dann aber zum Bohrloch zurückgekehrt und hätten dabei schwerste Brandverletzungen erlitten.

Das Ölfeld bei Geeste gehört zum größten Ölfördergebiet Westeuropas. Nach Angaben eines Feuerwehrmannes hatte es einen ähnlichen Unfall zuletzt in den 60er-Jahren im emsländischen Moor gegeben.

Ölförderung in Deutschland

In Deutschland wurden 2013 insgesamt 2,6 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Schleswig-Holstein leistete mit 55 Prozent der Gesamtmenge den größten Beitrag. Das produktionsstärkste Ölfeld ist die Bohrinsel Mittelplate im Wattenmeer mit über einer Million Tonnen. Unter den Bundesländern folgt Niedersachsen mit 34 Prozent auf Platz zwei. Auf dem Feld Bramberge im Emsland, wo sich jetzt das Unglück ereignete, wurden im vergangenen Jahr rund 97.000 Tonnen gefördert.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.09.2014 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:09 min

CeBIT jetzt im Juni

22.03.2017 18:00 Uhr
Niedersachsen 18.00 Uhr
00:32 min

Niedersachsen prüft weitere Abschiebungen

22.03.2017 18:00 Uhr
Niedersachsen 18.00 Uhr
00:55 min

Verfassungsschutz: Gute Zusammenarbeit der Behörden

22.03.2017 18:00 Uhr
Niedersachsen 18.00 Uhr