Stand: 01.03.2017 18:45 Uhr

Emsbürens Gründungsjahr - alles Fake

von Hedwig Ahrens
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Auch die Etiketten auf den Weinflaschen müssen wohl neu gedruckt werden. 819 als Jahr der Ersterwähnung zu nennen ist nämlich falsch.

Eigentlich wollte die Gemeinde Emsbüren im Landkreis Emsland in zwei Jahren groß feiern - und zwar das 1.200-jährige Bestehen ihrer Kirchengemeinde. Jetzt hat sich herausgestellt: Die Urkunde, auf die diese Jahreszahl zurückgeht, ist eine Fälschung. Und die Emsbürener müssen umdenken: Sie sind rund 350 Jahre jünger, als sie bislang gedacht haben. Die Emsbürener Geschichtslehrerin Anni Hopmann und ihr Kollege Erich Hartkemeyer etwa haben nicht schlecht gestaunt, als sie erfahren haben, dass ihre Heimatgemeinde nicht im Jahr 819 gegründet wurde, sondern viel später. "Ja, das ist erstaunlich. Ich habe das fast 55 Jahre lang geglaubt", sagt Hopmann. "Aber ich kann da wohl mit leben."

der Turm der der St. Andreas Kirche in Emsbüren.

Emsbüren: Alternative Fakten im Mittelalter

Hallo Niedersachsen -

Eigentlich soll die St.-Andreas-Kirche in Emsbüren und damit die ganze Gemeinde fast 1.200 Jahre alt sein. Doch offenbar entstammt die Information einer gefälschten Urkunde.

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Ersterwähnung: ein Fake

Der Irrtum geht auf eine Urkunde aus dem Kloster Corvey zurück. Darin wird Emsbüren erwähnt. Dieses Schriftstück ist aber eine Fälschung, sagt der Osnabrücker Diözesanarchivar Georg Wilhelm. "Die Urkunde ist völlig falsch. Und zwar, weil sie eine falsche Schrift hat. Diese Schrift stammt nicht aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, sondern ist circa 150 Jahre später anzusiedeln. Und der Inhalt ist völlig falsch. Die ist ein Fake." Das ist eine bittere Nachricht für die Emsbürener. Sie hatten schon das 1.200-jährige Jubiläum in zwei Jahren im Blick, wie Pastor Stefan Schwegmann erzählt.

Sogar die Weinetiketten: Fake

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Pastor Stefan Schwegmann in der Pfarrkirche St. Andreas, die urkundlich das erste Mal 819 erwähnt wurde, was sich nun als Fake herausstellt.

Um bei der Jahreszahl auf Nummer sicher zu gehen, hatten die Emsbürener die umstrittene Urkunde gleich von mehreren Historikern prüfen lassen. "Und alle haben bestätigt: Die Urkunde ist eine Totalfälschung", sagt Schwegmann. Der Geistliche sitzt mit Hermann-Josef Niehoff vom Kirchenvorstand in seinem Pfarrbüro. Zwischen ihnen steht eine Weinflasche - mit einem Emsbürener Etikett. Darauf ist das Gründungsjahr auf 819 datiert. "Ich glaube, das müssen wir neu gestalten." Niehoff schüttelt den Kopf: Er kann den Irrtum immer noch nicht glauben. "Ich war zunächst baff, muss ich sagen. Denn ich kann mich gut daran erinnern, dass wir vor gut 23 Jahren das 1.175-jährige Gemeindejubiläum gefeiert haben."

Auch Freren sollte Alter prüfen

Gefeiert wird jetzt im Jahr 2031 - und zwar der 850-jährige Gemeindegeburtstag, denn 1181 markiert nun das Jahr der ersten Erwähnung. Ein Trost für Emsbüren: Die Gemeinde ist vermutlich nicht allein. Auch die Gemeinde Freren kommt in der gefälschten Urkunde vor und sollte ihr Alter nun prüfen, empfiehlt Diözesanarchivar Wilhelm. Und nicht nur Freren: "Wenn sie die ganzen Ersterwähnungen im Emsland anschauen - da würde ich nicht viel geben dafür, ob das alles stimmt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 01.03.2017 | 15:30 Uhr

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