Stand: 06.06.2017 16:08 Uhr

Bob Dylan und sein Faible für Osnabrück

von Andrea Heussinger
Er kommt zum Konzert in die Emslandarena und bezeichnet Remarque als einen der für ihn wichtigsten Autoren: Bob Dylan ist ganz offensichtlich ein Niedersachsen-Fan.

Damals, im Dezember, als seine Konzert-Zusage ins Email-Postfach eines Veranstalters in Lingen im Emsland flatterte - damals hat man ja noch an Zufall glauben können. Aber jetzt?! Nach diesem Bekenntnis?! Zu Papier gebracht und als Tondokument festgehalten für die Nachwelt. Veröffentlicht im Internet, wo es sich nun Millionen, ja Milliarden Menschen anhören können. Jetzt muss man wohl doch eher von Schicksal sprechen. Von einer schicksalhaften, tiefen Zuneigung, einer glühenden Leidenschaft, zumindest aber einem gewissen Faible. Dem Faible eines Nobelpreisträgers - für Niedersachsen. Beziehungsweise: für einen bestimmten Teil des Landes. Auch wenn er sich selbst dessen noch nicht gewahr sein mag: Bob Dylan hat eine Schwäche für das Emsland und für Osnabrück, eben für den Westen Niedersachsens.

Remarque als eines von drei Vorbildern

Und "Westen" ist genau das Stichwort: Erst absolviert der Musik-Virtuose mit der Knarz-Stimme einen seiner ersten Auftritte als amtierender Literatur-Nobelpreisträger ausgerechnet in der Lingener Emslandarena. Und jetzt legt Bob Dylan mit seiner West-Niedersachsen-Euphorie sogar noch nach: In seiner Nobelpreisrede - Voraussetzung dafür, dass Dylan die 800.000 Euro Preisgeld bekommt, nachdem er der Verleihung im Dezember ferngeblieben war - spricht er über Literatur. Das passt zum einen gut zu einem Literatur-Nobelpreisträger. Zum anderen wissen wir nun, welche Bücher ihn und seine Texte beeinflusst haben: "Moby Dick", "Die Odyssee" - und "Im Westen nichts Neues". Ha! Erich Maria Remarque! Geburtsort: Osnabrück!

Bob Dylan als Botschafter des Emslands?

Der Leiter des Remarque-Friedenszentrums ist natürlich hocherfreut, dass ein Osnabrücker Autor in einem Atemzug mit Melville und Homer genannt wird: "Beide zählen zweifellos zur Weltliteratur, zum internationalen kulturellen Erbe", sagt Thomas Schneider. Dass Dylan, der nicht aus Deutschland kommt und "Im Westen nichts Neues" im amerikanischen Kulturkontext gelesen habe, festgestellt hat, dass auch dieser Roman "eindeutig zur Weltliteratur" gehöre, freue ihn sehr, so Schneider zu NDR 1 Niedersachsen. Hoffentlich wuchern bald auch die Stadt Osnabrück und das Emsland mit diesem Pfund. Was man da marketingmäßig alles machen könnte! Songs über das Heger Tor, T-Shirts mit Dylan vor dem Dom Sankt Petrus, das Emslandmuseum Lingen verkauft handsignierte Mundharmonikas ... Wir haben schon mal angefragt, was "His Bobness" sich so alles vorstellen könnte. Die Antwort? Bislang noch nichts. Der Wind, Sie wissen schon ...

Weitere Informationen
03:14

Dylan-Konzert: His Bobness beehrt Lingen

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Songwriter-Legende Bob Dylan hat Station in Lingen gemacht. Vor dem Konzert ließ er sich zwar nicht blicken, aber 3.500 Zuschauer durften den Nobelpreisträger live erleben. Video (03:14 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 06.06.2017 | 17:00 Uhr

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