Stand: 11.02.2016 20:34 Uhr

Bares und ein Gruß: Wer ist der Wohltäter?

von Josephine Lütke
Was für eine Überraschung: Gastronom Wilfried Hodde freut sich über 200 Euro, die er von einem Unbekannten geschenkt bekommen hat.

Da hat Wilfried Hodde nicht schlecht gestaunt: Am Eingang seines Bistros in Bünde in Nordrhein-Westfalen, direkt an der Grenze zu Niedersachsen, hat er einen Umschlag mit 200 Euro in bar gefunden. Dabei lag eine Grußkarte mit einem christlichen Spruch. Auch eine Botschaft hinterließ der oder die Unbekannte: "Für die zerstörte Scheibe! P.S. Ich war es nicht, habe es lediglich im Internet gesehen. God bless you!" Tatsächlich ist eine Scheibe von Hoddes Bistro im Dezember von Unbekannten eingeschlagen worden. So vermutete der Gastronom zunächst, dass das Geld von den Tätern oder zumindest aus deren Umfeld kam. Doch dann erfuhr er am Donnerstag, dass er nicht der Einzige war, der einen Umschlag mit Geld bekommen hatte.

Mehr als 1.000 Euro verschenkt

Polizeisprecher Michael Albrecht weiß von insgesamt 21 weißen Umschlägen mit je 50 Euro. Gleich mehrere Finder hatten sich am vergangenen Wochenende bei der Polizei gemeldet. Die Umschläge waren versteckt in einem Supermarkt, in Regalen und Einkaufskörben. Einer lag an einem Auto, weitere Umschläge fanden Bewohner eines großen Mehrfamilienhauses. Jedem der Umschläge war auch eine Grußkarte mit christlichem Spruch beigefügt - wie bei Hodde, nur die persönliche Botschaft fehlte.

Ein Akt der Nächstenliebe?

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Bares und ein christlicher Gruß - so werden die Menschen in Bünde derzeit beschenkt.

"Wir wissen nicht, woher das Geld kommt", sagt Polizeisprecher Albrecht. Um Falschgeld handele es sich jedenfalls nicht. Das habe die Kriminalpolizei bereits überprüft. Die Polizei geht davon aus, dass die Beschenkten mehr oder weniger gezielt ausgesucht wurden, um ihnen eine Freude zu machen. Auch den beigelegten Spruch aus dem Alten Testament lesen die Beamten wie einen Hinweis auf eine Schenkung: "Der Herr ist mir erschienen von ferne: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Jeremia 31,3." Für einen Betrugsversuch oder die Anwerbung einer Sekte spreche nichts. Daher ermittelt die Polizei auch nicht.

Niemand hat den Wohltäter beobachtet

Bistro-Besitzer Hodde und seine Gäste haben auch keinen blassen Schimmer, wer der Wohltäter sein könnte. Sie hätten niemanden gesehen, so der Gastronom. Laut Polizei gibt es auch aus dem Supermarkt sowie dem Wohnhaus keine Hinweise auf den Spender. Hodde glaubt, dass es eine Frau war. Die Schrift deute darauf hin. Seine Scheibe im Bistro ist längst ersetzt, und deshalb will er das Geld nun für einen wohltätigen Zweck spenden.

Weitere Informationen

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