Stand: 19.04.2017 14:31 Uhr

Zu wenige Helfer: Wird Feuerwehr verpflichtend?

Wird aus der freiwilligen Feuerwehr in Upgant-Schott (Landkreis Aurich) eine Pflichtfeuerwehr? Die Einsatzbereitschaft könnte bald nicht mehr gewährleistet sein, heißt es. Der Grund sind der zuständigen Samtgemeinde zufolge zahlreiche Austritte von ehrenamtlichen Feuerwehrleuten. In den vergangenen Wochen haben 16 von insgesamt 39 aktiven Helfern ihren Rücktritt erklärt. Sie hatten dem Ehrenamt den Rücken gekehrt, um gegen eine geplante Zentralisierung aller Wehren der Samtgemeinde Brookmerland und die Schließung des bisherigen Standorts in Upgant-Schott zu protestieren. Die übrigen 23 Freiwilligen bilden die Mindestgruppenstärke einer freiwilligen Feuerwehr für einen Ort wie Upgant-Schott.

Pflicht für 18- bis 55-Jährige?

Folgten weitere Kündigungen - und nach Ortsbrandmeister Nils Döhrmann werden sie es - droht die Einführung einer Pflichtfeuerwehr. Dann könnten Bürger aus der Samtgemeinde im Alter zwischen 18 und 55 Jahren zum Dienst verpflichtet werden, sofern sie gesundheitlich für den Einsatzdienst geeignet sind und ihre Verpflichtung mit ihren "beruflich oder sonstigen Pflichten vereinbar ist", so steht es im Niedersächsischen Brandschutzgesetz. In Niedersachsen gibt es bislang noch keine Pflichtfeuerwehr. Für Karl-Heinz Banse, Präsident des Landesfeuerwehrverbands (LFV) Niedersachsen, ist eine solche Maßnahme der "allerletzte Schritt, weil Menschen einzusetzen, die ohne Herzblut und den Willen, Menschen zu retten, dabei sind, nicht die richtige Lösung ist".

Demografie und Auflagen

Es führe kein Weg daran vorbei, die fünf Ortsfeuerwehren an einem Ort zu bündeln, sagt der stellvertretende Samtgemeindebürgermeister Gerhard Evers. Gründe für diese Maßnahme seien etwa der demografische Wandel und Auflagen. Denen zufolge müssten die bisherigen Feuerwehrgebäude aufwendig umgebaut werden, weil inzwischen auch viele Frauen aktiv seien und sie spezielle Sanitär- und Umkleideräume bräuchten.

Bei Zentralisierung längere Ausrückzeiten?

Nils Döhrmann, der als Ortsbrandmeister nach Jahren in der freiwilligen Feuerwehr seinen Rücktritt erklärt hat, sieht erhebliche Risiken, sollten die Kräfte der freiwilligen Feuerwehren an einem Ort gebündelt werden: Dabei gehe es vordergründig um längere Anfahrtswege, die einen Großteil der Kameraden betreffen würden. Schließlich sei die bislang personell stärkste Wehr in der Samtgemeinde die Feuerwehr aus Upgant-Schott - und das sogar zur "kritischen Zeit über den Tag".

Zweifel an einer Einigung

Die Samtgemeinde Brookmerland will nach eigenen Angaben erneut das Gespräch mit den Feuerwehrleuten suchen - in der Hoffnung, eine Pflichtfeuerwehr doch noch verhindern zu können. Dazu sei bis Ende Juni Zeit, heißt es weiter. "Solange der bestehende Beschluss in dieser Form erhalten bleibt und nicht angepasst wird, sehe ich da keine Chance", sagt der zurückgetretene Ortsbrandmeister Döhrmann.

Nach Angaben der Landesfeuerwehrverbandes gibt es bundesweit fünf Orte, in denen Bürger zum Feuerwehrdienst verpflichtet wurden. Allerdings bislang nicht in Niedersachsen, sondern etwa in Schleswig-Holstein und in Mecklenburg-Vorpommern.

Hintergrund: Die Feuerwehr im Einsatz

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 18.04.2017 | 17:00 Uhr

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