Stand: 02.10.2017 10:26 Uhr

"Wir wollten Berlin vor der Zerschlagung retten"

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Alexander Sänger ist im Miniaturland in Leer für den technischen Betrieb zuständig.

Ob Borkum, Emden oder Oldenburg: Im Miniaturland in Leer wurde bisher ausschließlich der Nordwesten Niedersachsens im Maßstab 1:87 gezeigt. Nach der Eröffnung des Erweiterungsbaus im vergangenen Jahr haben die Verantwortlichen ihr bisheriges Konzept geändert. Im Sommer übernahmen sie die Berliner Miniaturwelt "Loxx" und holten die Bundeshauptstadt nach Ostfriesland. Ganz nebenbei machten sie das Miniaturland damit zur weltgrößten Modellbauanlage. NDR.de hat mit dem Betriebsleiter Alexander Sänger über den außergewöhnlichen Zukauf und den komplizierten Umzug nach Leer gesprochen.

Herr Sänger, bisher hat sich das Miniaturland in Leer auf den Nordwesten von Niedersachsen konzentriert. Wieso kommt jetzt Berlin dazu?

Alexander Sänger: Wir haben die Gelegenheit ergriffen, als wir gehört haben, dass die Berliner Miniaturanlage "Loxx" zum 31. August aufhört. Wir sind in die Verhandlungen eingestiegen und haben letztendlich den Zuschlag bekommen. Der Hauptgrund für den Kauf ist, dass wir diese schöne, große Anlage weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich machen möchten. Außerdem wollen wir einen neuen Anreiz für unsere Besucher schaffen, von denen viele den Nordwesten in Miniaturform schon kennen.

Das Miniaturwunderland in Leer. © NDR

Berlin zieht nach Leer - in Miniatur

Das Miniaturland in Leer wächst. Nun zieht es auch die deutsche Hauptstadt nach Ostfriesland. Mit knapp 1.900 Quadratmetern ist die Anlage damit eine der größten weltweit.

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Wie passen denn das bisherige Miniaturland und die Erweiterung thematisch zusammen?

Sänger: Das ist nicht so entscheidend. Wir haben aufgrund unserer räumlichen Gegebenheiten die Möglichkeit, die Berliner Anlage für sich alleine zu zeigen. Außerdem haben wir unser Motto entsprechend angepasst: Statt wie früher "Unsere Region in H0" sagen wir jetzt "Regionen in H0".

Wie unterscheidet sich die dazugekaufte Berliner Anlage vom alten Miniaturland?

Sänger: Der Hauptunterschied liegt in der Baustruktur. Wir haben unsere Anlage von Beginn an aus einzelnen Modulen zusammengesetzt, die Berliner Anlage dagegen wurde komplett als ein großes Stück gebaut. Aus diesem Grund musste sie jetzt für den Transport in einzelne Segmente zersägt werden. Auch sonst unterscheiden sich die beiden Anlage natürlich schon etwas, da die Modellbauer natürlich ihre eigene Handschrift haben. Der Maßstab von 1:87 ist aber natürlich gleich.

Ein Streifzug durch das Miniatur-Berlin in Leer

Wie hat man sich den Umzug von Berlin nach Leer logistisch vorzustellen?

Sänger: Das war einen riesige Herausforderung. Zunächst wurde die Anlage in Berlin anhand eines Segmenteplans zerteilt und auseinandergesägt. Diese einzelnen Segmente wurden dann per Hand aus dem dritten Stock heruntergebracht und in Lastwagen verladen. Insgesamt sprechen wir von 14 Lkw-Ladungen, von denen jeweils zwei pro Tag nach Leer gebracht wurden. Hier vor Ort haben wir die Teile dann ebenfalls per Hand ausgeladen und mit einem Gabelstapler ins Obergeschoss unserer neuen Halle gehoben.

Wie läuft jetzt der Wiederaufbau der Anlage ab?

Sänger: Wie haben zunächst einmal die Segmente in der Halle auf dem Boden grob so zusammengelegt, wie die Anlage vorher war. Im nächsten Schritt müssen nun die Füße wieder angebracht werden, die für den Transport abgetrennt worden waren, um auf die Besucherhöhe von 85 Zentimetern zu kommen. Danach werden wir die Oberfläche reinigen und - soweit möglich - die Elektrik wieder verbinden. Einige Kabel müssen aber sicherlich auch erneuert werden. Im letzten Schritt werden dann die Schnittkanten der Segmente zusammengefügt und repariert.

Was bekommen die Besuchern denn nach Fertigstellung im Miniatur-Berlin alles zu sehen?

Sänger: Wir haben im Wesentlichen drei große Bereiche: Einer ist der der ehemalige Berliner Osten mit dem Roten Rathaus, dem Alexanderplatz, verschiedenen Freizeitparks und Teilen der Spree. Dann gibt es den Bereich des Berliner Flughafens, bei dem wir eine noch geheime Überraschung planen, und natürlich das Regierungsviertel mit dem Kanzleramt und dem Reichstag. In allen Bereichen, in denen insgesamt mehrere Tausend Gebäude stehen, wird es verschiedene Interaktionsmöglichkeiten geben.

Was bedeutet es Ihnen, dass durch den Zukauf in Leer künftig mit einer Fläche von knapp 1.900 Quadratmetern die wohl größte Modellbauanlage der Welt stehen wird?

Es erfüllt uns natürlich mit Stolz, zu sehen, was seit 2008 hier entstanden ist und was wir für die Region geschaffen haben. Ein möglicher Rekord hat für den Kauf der Berliner Anlage allerdings nicht die geringste Rolle gespielt. Uns war es vor allem wichtig, die Miniaturwelt vor einer möglichen Zerschlagung zu retten. Die Größe ist dabei absolut zweitrangig, wir wollen unseren Gästen eine qualitativ hochwertige Anlage bieten - nur das zählt. Wir freuen uns natürlich, dass wir demnächst eine neue Attraktion im Angebot haben, mit der wir hoffentlich zusätzliche Besucher anlocken können.

Wie geht es nach der Inbetriebnahme von Berlin weiter? Gibt es schon weitere Pläne oder ist jetzt erst einmal Schluss mit der Expansion?

Unabhängig von der Berliner Miniaturwelt, die wir hoffentlich im Laufe des nächsten Jahres fertigstellen werden, bauen wir unsere Anlage nach wie vor weiter aus. In der neuen Halle sollen in den kommenden Jahren Westerstede sowie Wilhelmshaven mit dem Jade-Weser-Port hinzukommen. Ja, und irgendwas wird uns ganz sicher auch danach noch einfallen, das kann ich versprechen.

Das Interview führte Oliver Gressieker, NDR.de.

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Hallo Niedersachsen | 13.09.2017 | 19:30 Uhr

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