Stand: 05.06.2017 13:49 Uhr

Windparks könnten Hummern Lebensraum bieten

Felsriffe - das sind die Orte, an denen sich der Europäische Hummer wohl fühlt. Deshalb lebt er in der Deutschen Bucht vor allem vor Helgoland. Doch sein Bestand ist dezimiert. So war die Population vor der Insel nach den Bombardements im Zweiten Weltkrieg und intensiver Fischerei drastisch geschrumpft und hat sich nie wieder erholt. Doch jetzt findet das Meerestier möglicherweise neuen Lebensraum - am Fundament von Windparks. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven hatten vor drei Jahren am Windpark "Riffgat" vor Borkum 2.400 Europäische Hummer ausgesetzt. Die Bilanz: "Es gibt starke Hinweise, dass der Lebensraum geeignet ist für Hummer", sagt der AWI-Meeresökologe Roland Krone.

Tiere schneller gewachsen als in der Zucht

Die Forscher haben vier Stellen überprüft, an denen sie die Tiere ausgesetzt hatten. Mindestens drei Prozent waren dort geblieben. "Das klingt erst einmal sehr wenig", sagt Krone. Immerhin seien die Tiere schneller gewachsen als in der Zucht. Ein Zeichen dafür, dass sie einen guten Lebensraum haben. Außerdem entspreche die Größe des Bestands der in natürlichen Habitaten wie vor Helgoland, so Krone. Allerdings hatten die Wissenschaftler auf eine höhere Anzahl Tiere gehofft. Denn die Sterblichkeit liege innerhalb eines Jahres nur bei 30 Prozent. Möglicherweise hätten sich die Tiere jedoch auf andere Bereiche der Windpark-Fundamente verteilt.

Forscher möchten Taucher losschicken

Das wollen die Forscher nun genauer herausfinden. Derzeit sucht Krone nach Geldgebern, die Tauchgänge zu 17 der insgesamt 30 Windräder finanzieren würden. "So könnte man einen verlässlichen Überblick über die Hummer und auch die Entwicklung der übrigen Riffbewohner gewinnen." Die bislang aufgewendeten 700.000 Euro hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bereitgestellt. Es stammte vom Energie-Konzern EWE, der "Riffgat" errichtet hatte. Die Summe war ein Ausgleich für den Eingriff in die Natur. EWE halte eine künftige Unterstützung des Projekts für "grundsätzlich vorstellbar", so ein Sprecher, allerdings nicht in finanzieller Hinsicht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.06.2017 | 13:00 Uhr

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