Stand: 11.02.2017 14:18 Uhr

Weltgrößtes Häkeldorf wächst im Wangerland

von Oliver Gressieker

Gabriele Ranftl aus der Gemeinde Wangerland (Landkreis Friesland) hat äußerst ambitionierte Pläne. Gemeinsam mit 231 Mitstreiterinnen will sie ein ganzes Dorf erschaffen. Inklusive Rathaus, Kirche, Hafen, Schwimmbad und vielem mehr. Dass dieses Vorhaben keine größenwahnsinnige Idee ist, sondern völlig ernst gemeint, erklärt sich erst bei genauerem Hinsehen: Das Dorf wird nicht aus Steinen gebaut, sondern Masche für Masche gehäkelt. Bis Mitte August will die Gruppe das größte Häkeldorf der Welt anfertigen und dann sämtliche Teile zugunsten des Bundesverbandes Kinderhospiz versteigern.

Projekt stößt auf riesige Resonanz

Den  Anstoß zu diesem ungewöhnlichen Projekt gab ein Löwe. Im vergangenen Herbst hatte die leidenschaftliche Handarbeiterin nach einer Facebook-Anfrage ein Löwenkissen für ein Kinderhospiz in Frankfurt/Oder gehäkelt. "Die Reaktionen waren so positiv, dass ich direkt weitermachen wollte", erzählt Ranftl im Gespräch mit NDR.de. "Um Weihnachten herum hatte ich dann plötzlich die Idee, gemeinsam mit vielen anderen das größte Dorf der Welt zu häkeln." Die 51-Jährige präsentierte auf einer extra eingerichteten Facebook-Seite ihr Vorhaben und sofort hagelte es Anfragen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Die Resonanz ist fantastisch, ich bin völlig überwältigt", sagt Ranftl. "Ich hätte nie damit gerechnet, dass sich so viele Leute melden, die mitmachen wollen."

Kaum Vorgaben für die Teilnehmer

Mitte Januar haben die 232 Frauen mit der Arbeit begonnen. Wie das Häkeldorf am Ende aussehen wird, ist völlig offen. Denn die einzigen Vorgaben, die Ranftl ihren Mitstreiterinnen gemacht hat, sind die Mindestgrößen der Häuser und Straßen, damit am Ende alles zusammenpasst. Zur Koordination gibt es in der Facebook-Gruppe eine Liste, in die die Teilnehmerinnen eintragen, was sie gerade häkeln. Außerdem werden hier Ideen gesammelt. "Eigentlich ist aber nur eines wichtig", betont Ranftl, die hauptberuflich als psychologische Beraterin arbeitet. "Alle die mitmachen, sollen ganz viel Spaß haben."

Vom Teich bis zum Feuerwehrhaus - alles aus Wolle

Teile des Dorfes kommen per Paket

Großen Spaß an ihrem Projekt hat Ranftl schon jetzt - und das nicht nur wegen das Häkelns. Fast täglich trudeln Pakete von ihren Mitstreiterinnen ein, die ihr Teile des Dorfes schicken. Ein kompletter Ententeich war schon dabei, zahlreiche Häuser und auch eine Feuerwehr samt Löschfahrzeug. "Das ist immer ein bisschen wie ein Überraschungs-Ei", berichtet Ranftl. "Ich freue mich dann jedes Mal wieder wie ein kleines Kind." Auf dem Boden ihrer Wohnung legt die 51-Jährige alle Teile zusammen und lässt das Dorf nach und nach wachsen. Vier Wochen nach dem Start ist es bereits zwölf Quadratmeter groß.

Guter Zweck wichtiger als der Rekord

In den kommenden sechs Monaten sollen es mindestens 60 Quadratmeter werden, was möglicherweise sogar für einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde reichen könnte. Die Voranmeldung an die Guinness-Redaktion hat Ranftl schon abgeschickt. Voraussichtlich bis Mai fällt die Entscheidung, ob der Weltrekordversuch überhaupt zugelassen wird. Für die Gruppe ist das jedoch eher nebensächlich. "Am wichtigsten ist uns, dass wir etwas Gutes tun und dem Bundesverband Kinderhospiz helfen können", sagt Ranftl. Das liege auch an den persönlichen Geschichten vieler Häkel-Mitstsreiterinnen, von denen fast die Hälfte einen besonderen Bezug zur Hospizbewegung habe. "Viele von ihnen haben in letzter Zeit nahestehende Menschen verloren", erzählt Ranftl. Aus diesem Grund soll es in dem Häkeldorf auch eine Kirche mit einem Friedhof geben, auf dessen Kreuzen die Namen der verstorbenen Angehörigen eingestickt sind.

Wolle im Wert von 5.000 Euro

Nach der Fertigstellung soll das größte Häkeldorf der Welt Mitte August auf einem Deichabschnitt bei Schillig der Öffentlichkeit präsentiert und dann von einem professionellen Auktionator Stück für Stück versteigert werden. "Ich hoffe natürlich, dass wir möglichst viel Geld dafür bekommen und viele Besucher ein Stück vom Weltrekord mit nach Hause nehmen", sagt Ranftl. Eine genaue Vorstellung, was die Summe angeht, hat sie nicht. Allerdings, so betont sie, liege allein der reine Wollwert des bisher entstandenen Dorfes schon jetzt bei rund 5.000 Euro.


Dieses Thema war im Programm im Nordmagazin im NDR Fernsehen am 25.07.2016 um 19.30 Uhr.

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 27.10.2016 | 16:10 Uhr

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