Stand: 12.02.2016 10:33 Uhr

Warmer Winter beflügelt Störche zur Heimreise

Der Klimawandel macht auch vor den Reisegewohnheiten der Störche nicht halt: Einige der niedersächsischen Störche sind bereits in diesen Tagen aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt - viel früher als sonst. Unter anderem im Artenschutzzentrum des Naturschutzbunds NABU in Leiferde (Landkreis Gifhorn) und in Berne (Landkreis Wesermarsch) haben die Vögel ihre Nester schon bezogen und sind fleißig mit den Renovierungsarbeiten beschäftigt.

Obacht, Storch im Anflug

"Fridolin" hat es geschafft

Dass Leiferdes prominentes Storchenmännchen"Fridolin" zwei Wochen früher als im vergangenen Jahr zurück ist, hat laut Zentrumsleiterin Bärbel Rogoschik auch mit "Ruzica" zu tun - das Sturmtief hat "Fridolin" schneller gen Norden getragen als sonst. Beim NABU herrschte Anfang der Woche große Aufregung und Erleichterung, dass "Fridolin" es trotz heftigen Windes geschafft hatte, auf dem Schornstein zu landen. "Uns alle hat verwundert, dass er sich nicht ausgeruht hat, sondern in der ersten Minute nach seiner Ankunft sofort anfing, das Nest auszubessern", erzählt Rogoschik. Zwar habe er sich auch mal hingesetzt, aber dann trotzdem im Sitzen weitersortiert.

Warum in die Ferne schweifen?

"Es ist auffällig, dass immer mehr Störche früh zurückkommen oder gar nicht mehr wegfliegen", sagt Udo Hilfers von der Storchenpflegestation in Berne. Eine kurze Zeit mit Frost und Schnee können die Vögel überstehen. Auch fliegen einige Störche gar nicht mehr bis nach Afrika - Wärme und Nahrung gibt es auch in Südeuropa. So überwintern manche der Vögel inzwischen auf Müllkippen in Spanien.

Aufräumen für Frau und Kinder

Auch in Berne ist zurzeit Nestbau angesagt, denn schließlich soll alles rechtzeitig für den festen Partner und zu erwartenden Nachwuchs fertig sein. "Störche sind nesttreu. Wenn sie einmal gebrütet haben, kehren sie immer zu ihrem Nest zurück", sagt Hilfers. Vorausgesetzt, die Tiere überleben die anstrengenden Flugreisen. Traditionell kehrt das Männchen zuerst zurück, um das heimatliche Nest fit für den Frühling zu machen.

Störche brauchen Feuchtgebiete

Wie der NABU mitteilt, ist die Zahl der Störche in Niedersachsen und Bremen in den vergangenen Jahren stetig gestiegenen - mehr als 770 Storchenpaare waren es 2015. Trotzdem ist der Storch nicht ungefährdet: Sein Lebensraum - Überschwemmungsgebiete an Flüssen und Wiesen mit feuchten Stellen, mit Futter wie Regenwürmern, Mäusen und Maulwürfen - ist laut NABU zusehends bedroht, weil sich immer mehr Maismonokulturen breit machen.

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