Stand: 05.10.2017 10:37 Uhr

Vechta: Hirsche im Gehege von Wolf gerissen?

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In dem durch einen Zaun gesicherten Gehege im Landkreis Vechta wurden vier Hirsche gerissen - vermutlich von Wölfen.

Am Stadtrand von Vechta haben ein oder mehrere Wölfe in der Nacht auf Mittwoch offenbar Rinder und Hirsche angefallen. Die blutige Bilanz: Ein verletztes Kalb sowie vier tote Hirsche. Beide Orte trennen rund 800 Meter Luftlinie. Ein Wolfsberater war am Vormittag vor Ort, konnte sich zum Stand der laufenden Untersuchungen gegenüber NDR.de aber noch nicht äußern. Nach Angaben der Landwirte hat der Wolfsberater aber sowohl am Kalb als auch an den toten Hirschen eindeutige wolfstypische Biss-Spuren entdeckt. Im Fall des verletzten Kalbs gibt es zudem eine Augenzeugin. Die Tochter des Landwirtes hatte kurz nach Mitternacht ein verdächtiges Geräusch gehört und war daraufhin auf die direkt am Haus liegende Weide gerannt. Dort habe sie nur zehn Meter vor dem Wolf gestanden und dem Tier mit der Taschenlampe in die Augen geleuchtet. Bei dem Angriff wurde ein Kalb der Herde schwer verletzt.

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Halter der Hirsche spricht von einem Massaker

Die mutmaßliche Attacke auf die Hirsche wurde vom Halter erst am Morgen gegen 8 Uhr entdeckt. Der Halter spricht davon, dass es aussehe wie nach einem Massaker. 17 Tiere hält er in dem Gehege, das von einem etwa zwischen 1,60 Meter und zwei Meter hohen Drahtzaun umgeben war, untergebracht. Die Kadaver der Tiere sollen unterschiedliche Biss-Spuren aufweisen, was darauf schließen lässt, dass mehrere Wölfe dort eingedrungen sind. Wie die Wölfe dort hinein gelangten, ist noch unklar: Löcher im Zaun oder Spuren von Untergrabungen hat der Wolfsberater nach den ersten Untersuchungen nicht entdeckt. Entsprechend scheint naheliegend, dass die Wölfe den Zaun übersprungen haben. Letzteres wäre Wasser auf die Mühlen derer, die den Abschuss der Wölfe fordern. Schafzüchter in Niedersachsen und die Landesjägerschaft vermuten bereits seit längerem, dass der Wolf dazugelernt habe und Zäune überspringe. Kurz vor der Landtagswahl hat Rot-Grün zuletzt erwogen, dass in absoluten Ausnahmefällen Wölfe abgeschossen werden können. Über das konkrete Vorgehen werde weiter im Einzelfall entschieden.

Umweltministerin Barbara Hendricks und Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil stehen vor der Presse. © NDR

Jagd auf den Wolf bleibt verboten

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Umweltministerin Hendricks und Ministerpräsident Weil einigten sich heute auf Eckpunkte. Danach sind weiterhin die Schäfer in der Pflicht, ihre Zäune aufzurüsten.

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War Wolfsfamilie involviert?

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Der das Gehege umgebenden Zaun soll durchgängig eine Höhe von mindestens 1,60 Meter haben.

In den vergangenen Wochen sollen Wölfe allein in den Landkreisen Diepholz und Vechta 20 Schafe und Rinder getötet haben. Selbst ein zwei Meter hoher Zaun stoppte dort den Wolf offenbar nicht. Wolfsberater halten es für sehr wahrscheinlich, dass ein Wolf aus dem Barnstorfer Rudel dafür verantwortlich ist. 2014 wurde im Raum Barnstorf (Landkreis Diepholz) eine residente Wölfin nachgewiesen. In diesem Juni bestätigten Wolfsexperten Nachwuchs. Vier Welpen tappten in eine aufgestellte Fotofalle. Die nun betroffenen Landwirte im Landkreis Vechta vermuten, dass eine Wolfsfamilie für die aktuelle Attacke verantwortlich ist.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.10.2017 | 15:30 Uhr

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