Stand: 28.09.2015 12:36 Uhr

Unfallhergang nach Flugzeugabsturz rekonstruiert

Nach der Kollision von zwei Kleinflugzeugen im Hagener Ortsteil Sandstedt im Landkreis Cuxhaven untersuchen Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) die Absturzursache. "Zusammenstöße in der Luft sind eher die Ausnahme", sagte ein Sprecher der BFU. Bis erste Ergebnisse vorliegen, werde es mehrere Wochen dauern. Am Sonnabend waren die beiden Flugzeuge in der Luft kollidiert. Der 40 Jahre alte Pilot einer Piper PA-28 konnte auf dem Flugplatz Bremerhaven-Luneort notlanden - und blieb unverletzt. Sein Flugzeug wurde beschlagnahmt. Bei der zweiten Maschine, einer Cessna 172, riss nach Angaben der Polizei Cuxhaven das Leitwerk ab. Die Maschine stürzte manövrierunfähig auf eine Wiese bei Sandstedt. Drei Männer aus Nordrhein-Westfalen starben in dem Wrack.

40-Jähriger soll befragt werden

Noch stehen die Ermittlungen der Experten der BFU am Anfang: Zunächst soll jetzt der 40-Jährige befragt werden, der mit seiner Maschine notlanden konnte. Auch das Wrack und die Trümmerteile müssen an der Unfallstelle weiter untersucht werden. Es sei auch zu klären, ob die Kleinflugzeuge ein Frühwarnsystem für Zusammenstöße an Bord gehabt hätten, sagte der BFU-Sprecher. Dieses sei in Kleinflugzeugen jedoch keine Pflicht. Antworten müssen die BFU-Mitarbeiter auch auf die Frage finden, ob zu dem Zeitpunkt des Absturzes schlechte Sicht geherrscht hat. Daten zum Stand der Sonne, zur Windrichtung und zur Sicht sollen darüber Aufschluss geben. Die Experten werden auch prüfen, ob die Bauweisen der beiden Flugzeugtypen möglicherweise eine Rolle bei dem Unglück gespielt haben: Bei der Piper PA-28 sitzt der Pilot oberhalb der Flügel, bei der Cessna 172 unterhalb. Unter bestimmten Bedingungen können diese deshalb die andere Maschine nicht sehen. Ein Zusammenstoß aus diesem Grund sei schon einmal vorgekommen, sagte der BFU-Sprecher.

"Alle drei waren erfahrene Piloten"

Die Männer im Alter zwischen 55 und 60 Jahren waren am Morgen in Borkenberge in Nordrhein-Westfalen gestartet, wie die Polizei mitteilte. "Alle drei waren erfahrene Piloten", teilte der Vorstand des Luftsport-Vereins Borkenberge auf seiner Homepage mit. Die zwischenzeitliche Suche im Gebiet der Absturzstelle nach einem vierten Opfer sei nach kurzer Zeit eingestellt worden, sagte ein Polizeisprecher NDR.de.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    August 2015: Beim Landeanflug stürzt ein 52-Jähriger mit seinem Segelflugzeug in Repke-Dedelstorf im Landkreis Gifhorn ab. Der Mann erleidet schwere Verletzungen.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    August 2015: In Verden überschlägt sich ein Kleinflugzeug bei der Landung. Der 54-jährige Pilot bleibt unverletzt. Er gibt an, die Landung wegen schlechter Sicht eingeleitet zu haben.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    Juni 2015: Ein Sportflugzeug zerschellt in einem Waldgebiet bei Holzminden. Beide Insassen kommen ums Leben. Zum Unglückszeitpunkt soll es stark geregnet haben.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    Mai 2015: Bei einer missglückten Übung am Flugplatz Bartholomä bei Aalen kommt ein 21-jähriger Flugschüler aus Braunschweig ums Leben.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    Mai 2015: Über dem Waldgebiet Süntel bei Bad Münder explodiert ein Sportflugzeug. Der 67-jährige Pilot kann nur noch tot geborgen werden.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    Juni 2014: Riesenglück im Unglück haben die Insassen eines Privatflugzeugs in der Nähe von Westerstede. Eine Windboe erfasst die Maschine bei der Landung und schleudert sie gegen einen Baum. Ein Mann wird verletzt, drei weiteren Insassen kommen mit dem Schrecken davon.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    April 2014: Bei extrem schlechter Sicht stürzt eine einmotorige Sportmaschine nahe der ostfriesischen Insel Norderney ins Watt. Der Pilot wird tot geborgen.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    August 2013: Beim Rückflug von der Nordsee stürzt eine einmotorige Maschine im westfälischen Fröndenberg ab. Vier Erwachsene und ein Kind kommen ums Leben. Ursache war Spritmangel.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    Mai 2013: Bei einer Flugmeisterschaft in Bohmte im Landkreis Osnabrück stürzt ein ein 52-jähriger Pilot mit seinem Segelflieger ab. In etwa zehn Metern Höhe sei das Flugzeug in der Startphase seitlich weggekippt und zu Boden gestürzt, heißt es von der Polizei.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    April 2013: Tod in der letzten Flugstunde: Beim Absturz eines Sportflugzeugs auf einem Flugplatz in Mecklenburg-Vorpommern stirbt ein 62 Jahre alter Flugschüler.

  • Chronologie - Unfälle mit Kleinflugzeugen

    August 2012: Eine 17-jährige Flugschülerin stürzt mit einem Segelflugzeug bei Quakenbrück ab. Es war ihr erster Alleinflug.

zurück
1/4
vor

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version der Chronologie hieß es, die 17-jährige Flugschülerin in Quakenbrück hätte nicht allein fliegen dürfen. Das ist sachlich falsch. Die junge Frau stürzte bei ihrem ersten Alleinflug ab. Dabei war sie per Funk mit ihrem Fluglehrer in Kontakt. Zudem handelte es sich bei einem 2015 über dem Süntel zerborstenen Flugzeug um ein Sportflugzeug, nicht um ein Segelflugzeug. Wir bitten, diese Fehler zu entschuldigen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.09.2015 | 09:00 Uhr