Stand: 06.12.2017 17:57 Uhr

Umstrittene Stromtrasse: Bau hat begonnen

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Die Arbeiten an der Stromtrasse Dörpen-Niederrhein haben begonnen. Allerdings ist das Vorhaben umstritten.

Es ist eine Zwickmühle. Einerseits braucht es künftig ein besseres und größeres Stromnetz, wenn im Zuge des Atomausstiegs mehr Energie von Offshore-Windanlagen bis weit aufs Festland transportiert werden soll. Das zumindest beteuert die Bundesnetzagentur. Auf der anderen Seite regt sich vielerorts Protest, wann immer die Leitungen verlegt werden sollen - egal ob überirdisch oder unter der Erde. Auch der Bau einer Hochspannungsleitung von Heede (Landkreis Emsland) an den Niederrhein, quer durch das Emsland, ist umstritten: Netzbetreiber Tennet, der für den Streckenabschnitt bis Meppen verantwortlich zeichnet, will die Trasse unbedingt. Landwirte und Bürgermeister der betroffenen Regionen sträuben sich gegen deren Verlauf. Trotzdem hat der Bau am Mittwoch begonnen.

170 Kilometer quer durch das Emsland

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Die vom Netzbetreiber Tennet gebauten 30,1 Kilometer der ingesamt 170 Kilometer langen Dörpen-Nordrhein-Stromtrasse, führen quer durch das Emsland.

380.000 Volt Spannung - so viel Energie aus den Offshore-Windanlagen vor der niedersächsischen Nordseeküste soll mit der neuen Leitung durch das Emsland fließen. Der größte Teil davon überirdisch: Vom Umspannwerk Dörpen West bei Heede an dem der Wind-Strom ankommt, quer durch die Gemeinden Dersum und Walchum, vorbei an Meppen bis Wesel in Nordrhein-Westfalen. 170 Kilometer insgesamt. Knapp drei Kilometer Trasse - nahe der Stadt Haren - laufen unterirdisch. Grund ist eine gesetzliche Vorgabe, nach der Leitungen dieser Art unter die Erde ausweichen müssen, wenn sie zu dicht an einer Siedlung entlanggehen. Noch längere Strecken der Trasse unterirdisch verlaufen zu lassen, wäre laut Netzbetreiber Tennet nicht machbar gewesen: Durch die Dörpen-Nordrhein-Leitung fließt Wechselstrom, der unter der Erde schnell an Intensität verliert. An dem jetzigen Verlauf hält Tennet deswegen fest. Und das, obwohl aktuell eine Klage dagegen läuft.

Landwirte und Bürgermeister protestieren

Ein Grundstückseigentümer hat gegen der Verlauf der Trasse geklagt. Der Fall liegt aktuell vor dem Bundesverwaltungsgericht, entschieden hat es darüber noch nicht. "Die Trasse ist aber nach Recht und Gesetz genehmigt", sagt ein Tennet-Sprecher. Auch Anträge auf Aussetzung der Bauarbeiten gebe es nicht. Doch der Widerstand geht weiter: So richtet sich ein Aktionsbündnis von Landwirten aus dem Emsland gegen diese und eine weitere geplante Stromtrasse. Wie auch die Bürgermeister von Haren, Meppen und Lingen fordern sie, dass der Verlauf der Dörpen-Nordrhein-Leitung geändert wird - möglichst dicht entlang der Autobahn 31.

Auch Erdkabel heftig umstritten

Die Heedener Leitung ist längst nicht das einzige umstrittene Projekt im Zuge des Netzausbaus. Nach Protesten vieler Bürger gegen Strommasten in ihrer Nachbarschaft war der Verlauf der sogenannten SuedLink-Trasse unter die Erde verlegt worden. Doch die Pläne sind weiter heftig umstritten: Im Sommer erst hatten sich mehr als 1.000 Landwirte mit Fackeln entlang der geplanten SuedLink-Trasse aufgestellt und gegen den Bau demonstriert. Viele Landwirte haben Angst, dass die Wärme, die die Erdkabel ausstrahlen, ihre Ernte beeinträchtigen könnte. Wie stark sich der Boden durch die Hochspannungsleitung erwärmt und welche Folgen das für die Landwirtschaft hat, ist nach wie vor unklar.

Weitere Informationen

Bauern protestieren gegen SuedLink-Erdkabel

Mit Fackeln haben sich am Montagabend mehr als 1.000 Landwirte entlang der geplanten SuedLink-Trasse aufgestellt. Sie wollten auf drohende Schäden durch Erdkabel aufmerksam machen. (15.05.2017) mehr

Obstbauern besorgt wegen SuedLink-Erdkabel

Nach Protesten wurde eine zunächst oberirdisch geplante Stromtrasse nach Süddeutschland unter die Erde verlegt. Doch Obstbauern im Alten Land kritisieren auch die neuen Pläne. (15.10.2016) mehr

Stromtrasse: Bürger in Wedemark verunsichert

Die geplante Stromtrasse Südlink sorgt weiter für Diskussionen. Gleich drei Routenvorschläge von Netzbetreiber Tennet verlaufen durch die Wedemark. Dort sind viele Bürger verunsichert. (01.10.2014) mehr

Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 06.12.2017 | 08:00 Uhr

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