Stand: 15.01.2016 07:19 Uhr

Tote Wale: Per Schlepper nach Wilhelmshaven

Auf Wangerooge hat die Bergung der zwei gestrandeten Pottwale begonnen. Bagger zogen am Donnerstag Rinnen ins Watt. Diese sollen zum einen als eine Art Führungslinie dienen, wenn die Kadaver ins Meer geschleppt werden und zum anderen die tonnenschweren Tiere mit Wasser unterspülen, um ihren Abtransport zu erleichtern. Mit der Tide sollen die Wale heute Mittag von einem Schiff aufs Meer geschleppt werden, wie der für den Abtransport verantwortliche Jade-Dienst NDR.de sagte. Demnach sollen die Kadaver den JadeWeserPort in Wilhelmshaven am Abend erreichen. Die starke Strömung vor dem Hafen bezeichnete ein Sprecher als Herausforderung. Im Hafen sollen Fachleute die Tiere zerteilen.

Umweltministerium: Nur ein toter Wal in Außenweser

Die jüngste Sichtung eines toten Pottwals in Niedersachsen gab es am Mittwochabend in der Außenweser vor Bremerhaven. Dort wurde zwischen Mellum und Dorum im Landkreis Cuxhaven rund zehn Kilometer vor der Küste ein Kadaver angeschwemmt. Der tote Wal in der Außenweser soll nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) zunächst nicht geborgen werden. Die Schifffahrt sei bislang nicht gefährdet. Die Untersuchungen liefen noch, sagte Rudi Zimmeck, Sprecher des Umweltministeriums

80.000 Euro für den Einsatz?

Das Skelett eines der Tiere, das an die Küste von Wangerooge geschwemmt wurde, soll nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen präpariert und später auf Wangerooge ausgestellt werden. Der andere Wal soll in die Tierkörperbeseitigungsanlage nach Friesoythe gebracht werden. Zuständig ist das Land Niedersachsen, da die Wale außerhalb der Gemeindegrenze im Nationalpark Wattenmeer angespült wurden. Bei der Höhe der Kosten für die Beseitigung der Kadaver wollte sich ein Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums noch nicht festlegen. Allein für die Wale auf Wangerooge dürften auf das Land Kosten von mindestens 80.000 Euro zukommen.

Gase mussten entweichen

Am Mittwoch hatte ein sogenannter Entgasungsexperte aus den Niederlanden die beiden Kadaver, die etwa 300 Meter voneinander entfernt liegen, mehrfach angestochen, um Faulgase aus den aufgeblähten Kadavern entweichen zu lassen. Der Strandabschnitt rund um die Pottwale ist derzeit weiträumig abgesperrt. Die 12 und 13 Meter langen und rund 30 Tonnen schweren Jungbullen liegen auf einer Sandbank vor dem Strand und sind nur bei Niedrigwasser zu Fuß zu erreichen.

Tiermediziner ermitteln die Todesursache

Der Polizei zufolge weisen die Kadaver nur geringe Verletzungen auf, die offenbar nicht zum Tod beigetragen haben. Tiermediziner nahmen Proben von den Kadavern, um die genaue Todesursache zu ermitteln. Auch soll ein genetisches Profil der Wale erstellt werden, um mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Entdeckt hatte die beiden toten Wale das Mellumrat-Mitglied Hans Uhlmann. Die Naturschutzgemeinschaft kümmert sich auf Wangerooge um Ranger-Aufgaben wie etwa die Überwachung von Schutzzonen oder die Zählung von Tieren.

Auf Irrwegen: Pottwale vor Wangerooge angespült

Ausschau nach weiteren Kadavern aus der Luft

Die Zahl der verendeten Pottwale summiert sich nun auf insgesamt zwölf: Neben den drei in Niedersachsen aufgefundenen Tieren kamen drei Pottwale an der Küste Schleswig-Holsteins ums Leben und fünf nach einem stundenlangen Todeskampf an der Küste der niederländischen Wattenmeer-Insel Texel. Am Donnerstag wurde ein weiterer Wal an die Küste Texels gespült.

Das größte Walsterben seit dem 18. Jahrhundert

Laut dem Wittmunder Walexperten Jan Herrmann ist es das größte Walsterben vor den Küsten Deutschlands seit dem 18. Jahrhundert. Damals waren 17 Pottwale bei Neuwerk in der Helgoländer Bucht gestrandet. Er hält es für wahrscheinlich, dass die Tiere zusammen von der Arktis in Richtung Äquator schwammen. "Offenbar hat sich eine ganze Gruppe von Jungbullen in der Nordsee verirrt", so Herrmann. Halbwüchsige Pottwal-Männchen schließen sich demnach zu Gruppen zusammen, sobald sie sich von ihren Müttern getrennt haben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 14.01.2016 | 08:00 Uhr

Fanø: Bagger rollen Wal an den Strand

Einsatzkräften ist es gelungen, den vor Fanø gestrandeten Wal aus dem Watt zu bergen. Sie schoben das zwölf Meter lange Tier mit Baggern an den Strand der dänischen Insel. (13.02.2015) mehr