Stand: 24.07.2017 17:35 Uhr

Schüsse auf Tierarzt: Landwirt steht vor Gericht

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Der angeklagte Landwirt (r.) äußerte sich zum Auftakt des Prozesses nicht.

Vor dem Landgericht Stade hat am Montag der Prozess gegen einen 56-jährigen Landwirt aus Osterbruch-Norderende (Landkreis Cuxhaven) begonnen. Der Mann soll im Februar auf seinem Hof einen Amtstierarzt angeschossen und lebensgefährlich verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten versuchten Mord und unerlaubten Waffenbesitz vor. Er habe versucht, einen Menschen heimtückisch zu töten, sagte Staatsanwältin Annika Lismann. Zumindest habe er den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen. Der Landwirt wollte sich zum Prozessauftakt nicht zur Sache äußern. Er stimmte allerdings der Erstellung eines Gutachtens über seine Persönlichkeit zu.

Veterinär wollte Gerichtsbeschluss vollstrecken

Zu der Tat kam es, als der Leiter des Kreisveterinäramts am 1. Februar in Begleitung von Polizisten die Tiere des Bauern abholen wollte. Das Verwaltungsgericht hatte zuvor einen entsprechenden Beschluss wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz verhängt. Der Landwirt stand schon länger unter Beobachtung, weil er seine Tiere nicht korrekt gehalten haben soll. Nach zahlreichen ergebnislosen Gesprächen und Verhandlungen sollte der Gerichtsbeschluss schließlich vollstreckt und die Rinder, Schafe und Pferde an einen Viehhändler übergeben werden.

Schüsse mit geerbter Waffe

Als der Veterinär auf dem Hof erschien, ging der Landwirt laut Anklage nach einem kurzen, aber nicht hitzigen Gespräch ins Haus. Er holte eine geladene Pistole und schoss aus der Scheune "plötzlich und völlig überraschend" aus dem Dunkeln auf den Amtstierarzt. Zuvor habe er noch "Existenzvernichter" gerufen. Erst nach einem Warnschuss der Polizisten ließ er sich widerstandslos festnehmen. Die Tatwaffe - eine 9-Millimeter-Pistole der Marke "Star" - stammte aus einer Erbschaft. Allerdings hätte der Mann laut Staatsanwaltschaft die Munition nicht besitzen dürfen. Wer Waffen erbt, müsse sie unbrauchbar machen oder abgeben, teilte die Behörde mit.

Urteil vermutlich Anfang August

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Auf diesem Hof im Landkreis Cuxhaven wurde der Amtstierarzt im Februar angeschossen. (Archivbild)

Der angeschossene Tierarzt musste nach der Tat notoperiert werden. Ihm wurden eine Niere und ein Teil des Darms entfernt. Er ist inzwischen pensioniert und nimmt als Nebenkläger an dem Prozess teil. Am Dienstag sollen unter anderem die am Einsatz beteiligten Polizisten vernommen werden. Voraussichtlich am 3. August ist die Aussage des Tierarztes geplant. Wegen des vom Vorsitzenden Richter angeregten Persönlichkeitsgutachtens wurde zusätzliche Verhandlungstermine bis Anfang September angesetzt. Ursprünglich war das Urteil bereits für Anfang August erwartet worden.

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