Stand: 26.10.2015 20:02 Uhr

Schäfer rüsten auf - den Wolf stört's nicht

Erst vor knapp vier Wochen hat Schäfer Tino Barth neun Schafe verloren. Nun wurde erneut ein Schaf gerissen - und das, obwohl Barth mit immer höheren Zäunen nichts unversucht lässt, um seine Herde vor Wölfen zu schützen. "Wir haben aufgerüstet", sagt Barth, und zwar genau so, wie es Ministerium und Wolfsbüro vorgegeben hätten. Der Zaun sei nun 1,60 Meter hoch und mit 6.000 Volt geladen. Erst vergangene Woche sei der Zaun abgenommen worden, so der Schäfer. Genutzt hat es offenbar nichts. Montagmittag bestätigte Wolfsberater Thorsten Schumacher, dass das Schaf vermutlich von einem Wolf gerissen wurde. Biss- und Fussspuren deuteten darauf hin. Das Schaf war Teil einer 23-köpfigen Herde weißer Moorschnucken, sogar Bundessieger sind darunter. "Das ist die beste Herde in Niedersachsen", sagt Schäfer Barth.

Auch 1,60 Meter hoher Zaun hält Wolf nicht auf

"Dann muss der Wolf geschossen werden"

Was nun wird, weiß Barth nicht: "Wenn es sich weiter so entwickelt, müssen wir die Schafe abschaffen." So sieht es auch Sebastian Ostmann, Sprecher der Schäfer im Landkreis Vechta: "Die Existenz ist eindeutig bedroht." Die Schäfer fordern Maßnahmen. Schon nach dem Vorfall vor wenigen Wochen war Barth davon ausgegangen, dass die Angriffe auf das Konto einer Wölfin gehen, die für den Großteil der Schafsrisse in der Region verantwortlich gemacht wird: "Ich verstehe nicht, warum das Tier trotzdem immer noch nicht als Problemwolf entnommen wurde", hatte der Schäfer gesagt. Der Wolf könnte in ein Gehege kommen. Der Wolfsexperte der CDU-Landtagsfraktion geht gedanklich noch einen Schritt weiter: Ernst-Ingolf Angermann ist eigens nach Goldenstedt gefahren, um sich vom neuen Wolfsriss zu überzeugen. Für ihn steht fest: Wenn ein Wolf wirklich solche Zäune überwindet, dann müsse das Tier geschossen werden.

 

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