Stand: 26.08.2015 19:02 Uhr

Saubere Lösungen für die Schifffahrt gesucht

von Thomas Stahlberg

Früchte aus Übersee, Fernsehgeräte und Handys aus Fernost, Kohle aus dem Ruhrgebiet: Das meiste, was wir täglich (ver-)brauchen, kommt mit dem Schiff zu uns. Weltweit sind Schiffe die Warenlieferanten Nummer Eins. Und auch in diesem Wirtschaftsbereich wird langsam aber sicher umgedacht: So hat beispielsweise die aktuelle Landesregierung das sogenannte Green Shipping als Ziel in ihren Koalitionsvertrag geschrieben. Sprich: eine umweltbewusste, aber dennoch wirtschaftliche Schifffahrt. Zu diesem Zweck haben Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne) am Mittwoch an den Seefahrtschulen Elsfleth (Landkreis Wesermarsch) und Emden/Leer das bundesweit erste Kompetenzzentrum Green Shipping eröffnet.

Elsfleth und Leer go "Green Shipping"

Weniger Energie, weniger Schadstoffe, weniger Unfälle

In dem Zentrum sollen die neuesten Herausforderungen für den Schiffbau und Schiffsbetrieb erforscht werden. Dabei geht es besonders um das Gleichgewicht zwischen Ökologie und Wirtschaftlichkeit. Schifffahrt, die zugleich umweltbewusst und wirtschaftlich sei, sei kein Widerspruch, sagt Heinen-Kljajić: "Wir brauchen Schiffe, die weniger Energie verbrauchen, weniger Schadstoffe emittieren, wie CO2 - und die weniger Unfälle bauen. Das ist eines der großen Probleme, gerade wenn es um Umweltschutz geht in der Schifffahrt."

Forschungsergebnisse in die Tat umsetzen

"Besonderer Clou" des Zentrums sei, "dass Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam an diesem Thema arbeiten", so die niedersächsische Wissenschaftsministerin. Geforscht wird an den Fachhochschulen Emden/Leer und Wilhelmshaven seit Jahren - nun sollen die Ergebnisse auch in die Praxis umgesetzt werden. Im neuen Kompetenzzentrum sollen alle Fäden zusammenlaufen und weitergesponnen werden. Die Forschungsgebiete heißen unter anderem "Neue Infrastruktur in den Häfen", "Sicherere Schiffe" und "Neue Schiffsantriebe". Dort beispielsweise gerät derzeit Flüssiggas als umweltverträglichere Lösung immer mehr ins Visier, Antriebe per Solar oder Windkraft sind weitere Lösungen.

1,5 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren

Auch der Verband Deutscher Reeder (VDR) engagiert sich in dem neuen Zentrum. Präsident Alfred Hartmann sagte, er sei von dessen Nutzen überzeugt, da sowohl Umwelt- als auch Wirtschaftsaspekte die Schifffahrt zwängen, neue Technologien einzuführen. Das Land Niedersachsen finanziert das Zentrum in den kommenden drei Jahren mit 1,5 Millionen Euro, bezahlt zudem die Stellen von vier Mitarbeitern. Das soll aber nur der Anfang der Investitionen in die Zukunft der Schifffahrt sein. Weitere Förderanträge seien bereits gestellt, heißt es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.08.2015 | 15:00 Uhr