Stand: 22.09.2017 16:31 Uhr

Salz in der Ems könnte Grundwasser belasten

Der Tidepolder Stapelmoor ist Teil des Masterplans Ems. Der Polder soll eigentlich als Überflutungsgebiet entlang des Flusses angelegt werden. Ziel des Polders: Die Schaffung ästuartypischer Lebensräume. Ästuare sind erweiterte Flussmündungen, die von Ebbe und Flut beeinflusst werden und aus Süß-, Salz- und Brackwasserzonen bestehen. Doch die Ems ist für einen geplanten Tidepolder zu salzig - die Gefahr, dass das Grundwasser verunreinigt wird, ist zu groß, heißt es in einer aktuell veröffentlichten Machbarkeitsstudie des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz NLWKN. Die Folge: Der Masterplan muss nachgebessert werden, aus dem Tidepolder soll nun ein Süßwasserpolder werden, gespeist allein aus Regenwasser.

Allein Regen soll den Polder füllen

Die chemische Belastung der Ems mit Salz und anderen Stoffen ist zu hoch, um negative Folgen für das Grundwasser auszuschließen, heißt es in der Studie. Daher sei es problematisch, mit den Gezeiten Emswasser in den geplanten Polder einzuleiten, der eine direkte Verbindung zum Grundwasser habe. Betroffen wäre das Trinkwasserschutzgebiet des Wasserwerks bei Weener (Landkreis Leer). Die Einleitung von Grubenabwässern aus dem Steinkohleabbau im westfälischen Ibbenbüren wird als Ursache für die Versalzung vermutet. Die neuen Überlegungen zielen jetzt auf einen Süßwasserpolder, dessen Wasserläufe und Sumpfgebiete allein durch Regen gespeist werden. Wenn sich die Wasserqualität der Ems eines Tages verbessern sollte, könnte der Polder für die Tide an der Ems geöffnet werden. Die Vertragspartner des Masterplans wollen nun Mitte Oktober über diesen Vorschlag beraten, sagte ein Sprecher am Freitag in Oldenburg.

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Tidespeicher für bessere Wasserqualität

Mit dem Masterplan Ems soll der jahrzehntelange Konflikt um Schutz oder Ausbau des Flusses entschärft werden. Bis zum Jahr 2050 sind mehrere Projekte zur Entlastung der ökologisch angeschlagenen Ems geplant, die unter Sauerstoffmangel leidet. Der Verlauf der Gezeiten ist gestört, große Mengen von Schlick werden flussaufwärts gedrückt und müssen mit Millionenaufwand ausgebaggert werden. Daher sind im Masterplan Umbauten am Emssperrwerk und eine Tidesteuerung zur Beeinflussung der Gezeiten vorgesehen. Durch den Bau von Tidespeichern entlang der Ems soll zudem der Schlick wie bei einer Toilettenspülung flussabwärts gespült werden, die Wasserqualität würde verbessert.

Polder soll renaturieren

Der Polder Stapelmoor jedoch hat eine andere Funktion: die Schaffung von Ästuaren. Vor dem Eingriff des Menschen waren solche Landschaften zwischen Fluss und Meer, wie man sie auch an Elbe, Weser und Eider findet, von Nebenarmen und Prielen geprägt, von Watt und Tümpeln, Stillgewässern und Flachwasserzonen, Auwäldern und Röhrichten. Heute sind an der Ems durch Begradigungen, Vertiefungen, Befestigungen und Eindeichungen viele der für ein Ästuar typischen Lebensräume verschwunden oder bedroht. Der Masterplan Ems 2050 verfolgt das Ziel, ästuartypische Lebensräume wiederherzustellen und die Ems gleichzeitig in ihrer Funktion als Schifffahrtstraße zu erhalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.09.2017 | 08:00 Uhr

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