Stand: 01.02.2017 12:01 Uhr

Riesiger Eisberg löst sich in der Antarktis ab

Auf 175 Kilometern Länge zieht sich ein tiefer Riss durch die Eisplatte. Wenn es zum Bruch kommt, wird eine Eisfläche doppelt so groß wie das Saarland aufs Meer treiben.

Es könnte nur noch wenige Wochen dauern, vielleicht Monate - aber kein Jahr mehr: Dann löst sich ein riesiger Eisberg in der Antarktis vom Larsen-C-Schelfeis. Der Koloss, eine Eisfläche doppelt so groß wie das Saarland, wird voraussichtlich anschließend auf das Meer hinaustreiben. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven beobachten die Abspaltung des Eisbergs. "Das ist ein natürlicher Prozess im Schelfeis", sagt AWI-Glaziologin Daniela Jansen. Im Larsen-C-Schelfeis hat sich ein Spalt auf 175 Kilometern aufgetan. 20 Kilometer fehlen noch, dann ist der Bruch komplett.

Eisberg dürfte vor Argentinien schmelzen

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Am Rande des Larsen-C-Schelfeises bricht der Eisberg ab.

Was genau mit dem Eisberg passiert, der sich derzeit löst, ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich werde er vor der Inselgruppe South Georgia schmelzen. Diese befindet sich 1400 Kilometer östlich der argentinischen Küste. "Das kann ein Jahr oder länger dauern", sagt Jansen. "Der Eisberg wird wahrscheinlich relativ stabil sein und nicht in viele Teile zerfallen." Eine Gefahr für Menschen oder die Schifffahrt besteht nicht. Per Satellit wären seine Positionen sehr gut zu bestimmen. "Schiffe können so gewarnt werden", sagt die Forscherin. 

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Aus der Luft zeigt sich, wie sich der Riss durch das Eis zieht.
Ist der Klimawandel Schuld?

Auch wenn das Ablösen des Eisbergs, die sogenannte Kalbung, eigentlich ein natürlicher Vorgang ist, sind die Forscher in Sorge. Es sei nämlich unklar, ob sich anschließend das Schelfeis dauerhaft zurückziehe, so Jansen. In den vergangenen 20 Jahren seien bereits bei sieben von zwölf Schelfeisen in der Antarktis zurückgegangen oder beschädigt. "Das hat ziemlich sicher mit der Erwärmung zu tun", sagt Jansen. Wenn der Eisberg abbricht, ist das Schelfeis so weit zurückgebrochen, wie nie zuvor. "Modellrechnungen zeigen, dass die Kante langfristig instabil werden und sich dauerhaft zurückziehen kann", sagt die Forscherin. Die Konsequenz: Es fließt mehr Eis ins Meer, der Meeresspiegel steigt.

Schelfeis: Wo Eisberge entstehen

Bei Schelfeis handelt es sich um Eisplatten, die vor Landmassen auf dem Meer schwimmen. Sie werden von Gletschern gespeist und sind mit ihnen verbunden. Irgendwann lösen sich Eisberge von der Kante - die sogeannte Kalbung. "Sonst würde das Schelfeis ja immer weiter ins Meer hinauswachsen", sagt Glaziologin Daniela Jansen vom Alfred-Wegener-Institut. Denn vom Land fließe immer neues Gletschereis nach.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 06.02.2017 | 07:30 Uhr

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