Stand: 16.02.2016 20:21 Uhr

Razzia gegen Bremer Salafisten-Verein

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Am Dienstag hat es eine Razzia in dem Räumen eines salafistischen Vereins in Bremen gegeben.

Bei einer Razzia gegen die Salafisten-Szene in Bremen haben mehr als 220 Beamte am Dienstag Räume des Islamischen Fördervereins Bremen e.V. sowie die dazugehörige Moschee durchsucht. Zudem nahmen sich die Ermittler Wohnungen in Bremen und eine Werkstadt in Delmenhorst vor. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat den Verein mit sofortiger Wirkung verboten. Mäurer begründete die Razzia und das Verbot mit einer "aggressiv-kämpferischen Grundhaltung" des Vereins. So hätten Mitglieder Muslimen und Konvertiten eine extremistische Auslegung des Islams nahegelegt. Zudem seien Kämpfer der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) als Vorbilder dargestellt worden. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass bisher sechs ausgereiste Vereinsanhänger bei Kämpfen in Syrien ums Leben gekommen sind, weitere Männer seien noch als IS-Kämpfer vor Ort.

Spezialkräfte waren nicht auf der Suche nach Waffen

Bei der Razzia wurden Computer, Festplatten und Telefone beschlagnahmt. Nach Waffen suchten die Spezialkräfte nicht, wie Mäurer berichtete. Den Ermittlern sei es vor allem darum gegangen, Quellen und Netzwerke der Salafisten aufzudecken. Bei den Durchsuchungen sei ein Mann vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Mäurers Behörde stuft den Islamischen Förderverein Bremen e.V. als Ersatzorganisation für den im Dezember 2014 bereits verbotenen und als extremistischen eingestuften "Kultur und Familie Verein" ein. Demnach sind ehemals leitende Mitglieder auch bei dem neuen Verein in führenden Positionen.

Innenbehörde will Radikalisierung verhindern

Im Zusammenhang mit dem jüngsten Vereinsverbot gibt es bislang keine aktuellen Hinweise auf Rekrutierungen oder Ausreisen nach Syrien. Die Polizeiaktion sei frühzeitig durchgeführt worden, um eine weitere Radikalisierung zu verhindern, sagte Daniel Heinke, der die Razzia in der Bremer Innenbehörde leitete.

Wer sind die Salafisten?

Salafisten sehen sich als Verfechter eines - aus ihrer Sicht - ursprünglichen und unverfälschten Islam. Sie sehen ausschließlich die Bestimmungen des Koran und der Hadithe, d.h. der Übertragungen aus Zeit des Propheten Mohammed, als verbindlich an. Der Begriff bezieht sich auf die "As-Salaf as-salih", die "rechtschaffenen Altvorderen". Islamwissenschaftler unterscheiden im Salafismus verschiedene Strömungen: Während sich einige ganz auf eine orthodoxe Ausübung der Religion beschränken, betätigen sich andere auch politisch, wieder andere versuchen, ihre Auffassung des Islam auch mit Waffengewalt durchzusetzen. Nur ein verschwindend geringer Anteil der Muslime in Deutschland folgt der salafistischen Auslegung des Koran. 

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