Stand: 04.06.2015 20:15 Uhr

"Purple Beach": Gespanntes Warten auf Lukenöffnung

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Seit Montagabend liegt das havarierte Containerschiff "Purple Beach" an seinem Notliegeplatz im JadeWeserPort.

Die Öffnung der Laderaumluke des havarierten Düngemittelfrachters "Purple Beach" steht offenbar kurz bevor. "Wir sind bei den abschließenden Vorbereitungen, um die Luke zu öffnen", sagte der Sprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich, auf Nachfrage von NDR.de am Donnerstagabend. Dazu zähle vor allem die Kontrolle der Atmosphäre in allen Räumen des Frachters - eine Gefährdung für Menschen muss ausgeschlossen werden können. Im Maschinenraum gebe es nach neuesten Messungen keine Belastung. Weitere Ergebnisse müssten aber noch ausgewertet werden. Das soll laut Friedrich bereits in den nächsten Tagen geschehen.

Einsatz bis nächste Woche Freitag

Seit Montagabend liegt das zu Beginn vergangener Woche havarierte Schiff an seinem Notliegeplatz in Wilhelmshaven. Aus dem betreffenden Laderaum war zuvor so starker Rauch aufgestiegen, dass die "Purple Beach" zeitweise von Spezialschiffen mit Wasserkanonen beschossen und abgekühlt werden musste. Doch wie kam es überhaupt zu dem Zwischenfall? Ist ein Feuer oder etwa eine chemische Reaktion des geladenen Düngemittels für die starke Rauchentwicklung verantwortlich? Die Frage kann erst beantwortet werden, wenn die Luke geöffnet wird. "Wir gehen erst einmal davon aus, dass unser Einsatz bis mindestens nächste Woche Freitag dauert", sagte Friedrich. Sobald der Laderaum betretbar sei, würden Brandexperten und Fachleute von der Reederei und von Versicherungen an Bord gehen und mit der Ursachenforschung beginnen.

"Breiige Masse" im Laderaum?

Das Havariekommando geht davon aus, dass sich der Dünger in dem betroffenen Laderaum zu einer "breiigen Masse" entwickelt habe. Gemeinsam mit der Reederei werde seit Donnerstag ein sogenanntes Entsorgungskonzept diskutiert. "Wir müssen etwa schauen, ob sich der geladene Dünger abpumpen lässt", erklärt der Havariekommando-Sprecher. Das Konzept werde den Messungen entsprechend geändert. Ein Prozess, der dauert. "Es tauchen immer wieder neue Sachen auf, an die man sich anpassen muss", so Friedrich.

"Keine Gefahr für Wilhelmshavener"

Eine Gefahr für die Bürger der Stadt Wilhelmshaven gibt es Havariekommando-Leiter Hans-Werner Monsees zufolge nicht: "Das Schiff liegt sicher an der Pier im JadeWeserPort." Das könne er mit Sicherheit sagen, denn bevor die havarierte "Purple Beach" am Montag zum Tiefwasserhafen geschleppt wurde, seien noch einmal Proben genommen worden. Wenige Stunden nachdem das Schiff in Wilhelmshaven festgemacht hatte, seien dann Sicherheitskräfte an Bord gegangen. Auch der Sicherheitsradius um den Frachter beeinträchtige den Hafenbetrieb nicht.

Sicherheitswache in der Nacht

Das Schlepp-Manöver zum JadeWeserPort dauerte den ganzen Montag: Für die rund 40 Seemeilen (umgerechnet 74,08 Kilometer) bis zum Tiefwasserhafen brauchte der Schleppverband nach Angaben des Havariekommandos rund 13 Stunden. "Seit 21.30 Uhr ist die 'Purple Beach' sicher vertäut. Die Fahrt verlief reibungslos", sagte ein Sprecher des Havariekommandos am Montagabend gegenüber NDR.de. An seinem Liegeplatz wurde das Schiff von Einheiten der Feuerwehr empfangen. Für die vergangene Nacht war eine Sicherheitswache eingerichtet worden.

Gute Erfahrungen mit JadeWeserPort als Nothafen

In dem Sicherheitsbereich rund um den Düngemittelfrachter dürfen nur Behördenschiffe und Schiffe des Bergungsunternehmens fahren. "Sonst müssten wir alle anderen Schiffe auch koordinieren. Das ist wie bei der Feuerwehr, wenn der Unfallort gesperrt wird", sagte der Havariekommando-Sprecher. Nur die Schiffe, die bereits im Hafen liegen, dürfen ihren Liegeplatz behalten. Der JadeWeserPort sei als Nothafen ausgewählt worden, weil er tideunabhängig und tief genug ist: "Nachdem im Laderaum mit Wasser gelöscht wurde, liegt der Frachter entsprechend tief", so der Sprecher. Ein weiterer Vorteil: In der Nähe des Hafens gibt es keine Wohngebiete. Zudem hatten die Experten bereits 2012 bei der Bergung der havarierten "Flaminia" mit dem JadeWeserPort als Nothafen gute Erfahrungen gemacht.

Tagelanger Kampf gegen Rauch und Hitze

Die "Purple Beach" hat insgesamt 20.000 Tonnen eines Stickstoff-Phosphat-Kalium-Düngergemisches geladen. Die Besatzung des Frachters hatte vor einer Woche Hitze- und Rauchentwicklung in einem Laderaum bemerkt. Daraufhin hatte sie die bordeigene Löschanlage eingesetzt und den betroffenen Laderaum verriegelt. Experten kämpften daraufhin tagelang mit Seewasser gegen die starke Hitze- und Rauchentwicklung. In der Spitze wurden Temperaturen von 210 Grad gemessen.

Eigenartiger Geruch an den Küsten

Das Unglück hatte den Einsatzleitern zeitweise große Sorgen bereitet. Auf den Ostfriesischen Inseln und an der Festlandsküste war ein eigenartiger Geruch wahrzunehmen. Nach Luftmessungen konnte jedoch Entwarnung gegeben werden. Brandbekämpfer und die Besatzung wurden zunächst vorsorglich in Krankenhäuser gebracht, es wurde aber niemand schwer verletzt. Den Besatzungen von Mehrzweckschiffen des Bundes gelang es, die riesige Rauchwolke mit großen Wasserfontänen niederzuschlagen und die Bordwände des Schiffes abzukühlen.

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Dichter Qualm und eine enorme Hitzeentwicklung machen das Betreten der vor Helgoland havarierten "Purple Beach" unmöglich. Spezialisten schießen mit Wasserkonen auf das Schiff. (27.05.2015) Bildergalerie