Stand: 20.11.2017 15:03 Uhr

Tödlicher Unfall: Polizei ermittelt gegen Fahrerin

Nach dem Unfalltod eines 23-jährigen Iraners auf einer Kreisstraße in der Nähe von Oldenburg ermittelt die Polizei gegen eine 29-jährige Autofahrerin wegen fahrlässiger Tötung. Die Frau hatte das Opfer am frühen Sonntagmorgen mit ihrem Wagen überfahren. "Es wird geprüft, ob sie den Unfall hätte verhindern können", sagte eine Polizeisprecherin gegenüber NDR.de. Die Ermittlungen würden in derartigen Fällen automatisch eingeleitet und deuteten keineswegs auf ein Fehlverhalten hin.

Obduktion bringt erwartetes Ergebnis

Die Leiche des 23-Jährigen wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Oldenburg bereits am Montag obduziert. Demnach starb der junge Mann infolge der Verletzungen, die er durch den Zusammenstoß erlitt. Nach Angaben eines Sprechers wurde zusätzlich ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob der Iraner unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss stand. Die Ergebnisse werden allerdings erst in einigen Wochen vorliegen.

Hätte der Unfall verhindert werden können?

Weiter im Raum steht die Frage, ob das Unglück durch ein anderes Verhalten der Polizei möglicherweise hätte vermieden werden können. Eine knappe Stunde vor dem tödlichen Unfall zwischen Wahnbek und Rastede (Landkreis Ammerland) hatten Beamten den 23-Jährigen aufgrund eines Platzverweises einen Kilometer von seiner Wohnung entfernt an einem Supermarkt-Parkplatz in Oldenburg-Etzhorn abgesetzt. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft liegen derzeit keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Polizisten vor. Sollte sich das ändern, würden diese geprüft und bewertet, so der Sprecher.

Polizei sieht keine Fehler

Auch die Polizei hält das Vorgehen für gerechtfertigt. "Aus polizeilicher und rechtlicher Sicht haben die Kollegen keinen Fehler gemacht", sagte Sprecher Stephan Klatte gegenüber dem NDR. Der Mann sei nüchtern, klar orientiert und warm genug angezogen gewesen. Von daher sei die tragische Entwicklung nicht abzusehen und die Maßnahme angemessen gewesen. Ursprünglich hätten die Beamten den 23-Jährige sogar bis vor die Haustür bringen wollen. Dies sei wegen eines dringenden Folgeeinsatzes jedoch nicht möglich gewesen, so Klatte.

Späteres Opfer flüchtet vor Beamten

Statt den von den Beamten beschriebenen Weg nach Hause zu nehmen, lief der Iraner jedoch in die entgegengesetzte Richtung stadtauswärts. Gegen 6.50 Uhr meldeten Autofahrer der Polizei in Rastede, dass auf der Oldenburger Straße ein Fußgänger auf der Fahrbahn unterwegs sei. Eine Streifenwagenbesatzung traf den Mann wenige Minuten später an, doch bevor sie ihn überprüfen konnten, flüchtete er den Angaben zufolge in der Dunkelheit auf den Gehweg. Nachdem die Beamten ihren Einsatz abgebrochen hatten, kam es eine halbe Stunde später auf der gleichen Straße zu dem tödlichen Unfall. Klatte kündigte an, dass der Vorfall von einer anderen Polizeidienststelle "minutiös aufgearbeitet" werden soll.

23-Jähriger rastet auf der Wache aus

Auch die Vorgeschichte, die zu dem Platzverweis führte, ist ungewöhnlich. Weil ein Türsteher den 23-Jährigen nicht in eine Kneipe in der Oldenburger Innenstadt gelassen hatte, beschwerte sich dieser bei der nahegelegenen Polizeiwache und bat um Hilfe. Als die Beamten ihm sagten, nichts unternehmen zu können, sei der Mann laut und ausfallend geworden, so Sprecher Klatte. Die Kollegen hätten ihn daraufhin vor die Tür gesetzt, wo er sich jedoch nicht beruhigte. Stattdessen soll der Iraner mit den Fäusten gegen die Fenster der Wache getrommelt haben. Als ein Platzverweis vom Gelände der Polizeiwache keinen Erfolg brachte, entschieden sich die Beamten schließlich, ihn im Zuge eines sogenannten Verbringungsgewahrsams zu seiner Wohnung zu fahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 20.11.2017 | 17:00 Uhr

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