Stand: 17.08.2017 17:53 Uhr

Nach Unfall: Ermittlungen gegen "Geisterfahrer"

Nach einem schweren Unfall auf der Autobahn 29 bei Oldenburg hat die Polizei Ermittlungen gegen offenbar rücksichtslose Auto- und Lkw-Fahrer aufgenommen. Diese sollen im Stau hinter der Unfallstelle gewendet haben. Videoaufnahmen zeigen, dass mehrere Fahrzeuge die Rettungsgasse in entgegengesetzter Fahrtrichtung zurückfuhren, um die Autobahn über eine Auffahrt in Richtung A 28 zu verlassen. Um wie viele Verkehrsteilnehmer es sich dabei handelt, ist noch unklar. "Wir müssen zunächst das Videomaterial auswerten und Zeugen befragen", sagte die Sprecherin der Polizeiinspektion Delmenhorst, Désirée Krikkis, gegenüber NDR.de.

Unfallstelle auf der Autobahn.

Nach Unfall: Pkw wenden in der Rettungsgasse

Hallo Niedersachsen -

Die Polizei ermittelt gegen mehrere Geisterfahrer, die nach einem Unfall auf der A 29 in der Rettungsgasse gewendet hatten, um dem Stau zu entgehen. Augenzeugen sind fassungslos.

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Wer wendete eigenmächtig?

Erschwert würden die Ermittlungen dadurch, dass einige Autofahrer von Polizisten vor Ort gezielt entgegen der Fahrtrichtung abgeleitet wurden, sagte Krikkis. "Es ist somit nicht klar, dass alle, die gedreht haben, auch einen Verstoß begangen haben", betonte die Sprecherin. "Unsere Aufgabe ist es nun herauszufinden, wer eigenmächtig ohne Erlaubnis gewendet hat." Unkontrollierte Wendemanöver seien extrem gefährlich, weil es immer möglich sei, dass sich noch Rettungsfahrzeuge auf dem Weg zur Unfallstelle befinden, so Krikkis.

Bis zu fünf Jahren Haft möglich

Die möglichen Strafen, die den "Geisterfahrern" drohen, beginnen laut Sprecherin Krikkis bei einem Bußgeld von 75 Euro. Sie seien davon abhängig, inwieweit durch die Wendemanöver andere Verkehrsteilnehmer gefährdet wurden. Der aktuelle Bußgeldkatalog sieht bei Wenden, Rückwärtsfahren oder Fahren entgegen der Fahrtrichtung auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen "je nach Tatbegehung" eine variable Geldstrafe, drei Punkte in Flensburg, den Entzug des Führerscheins sowie eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren vor.

Sechs Autos aufeinander geschoben

Grund für den Stau war ein schwerer Unfall, bei dem im Feierabendverkehr ein Lastwagen zwischen dem Autobahnkreuz Oldenburg-Ost und Sandkrug auf ein Stauende aufgefahren war. Sieben Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, vier davon schwer. Durch die Wucht des Aufpralls des 24 Tonnen schweren Lkw wurden sechs Autos aufeinander geschoben. In drei der Wagen wurden Menschen eingeklemmt, die die Feuerwehr befreien musste. Alle Verletzten kamen in Krankenhäuser. Die A 29 war insgesamt vier Stunden lang gesperrt. Beim Unfall entstand ein Schaden von rund 70.000 Euro.

Hinweise zur Bildung von Rettungsgassen

  • Eine Rettungsgasse ist immer dann zu bilden, wenn sich Fahrzeuge mit sogenannten Sondersignalen, also Blaulicht oder Martinshorn, nähern.
  • Auf Autobahnen und mindestens zweispurigen Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften muss eine Rettungsgasse dann gebildet werden, wenn der Verkehr ins Stocken gerät - die Fahrzeuge also in Schrittgeschwindigkeit fahren oder stehen (laut Straßenverkehrsordnung, Paragraf 11, Absatz 2).
  • Autofahrer sollten in diesem Fall sofort die Geschwindigkeit reduzieren und herausfinden, aus welcher Richtung die Einsatzkräfte kommen.
  • Erst den Blinker setzen, dann zur Seite fahren. Sonst drohen im Tumult weitere Unfälle. Das Heck sollte anschließend nicht auf die Fahrbahn ragen.
  • Halten Sie ausreichend Abstand zum Fahrzeug vor Ihnen.
  • Auf dreispurigen Autobahnen gilt: Wer auf der äußerst linken Spur fährt, weicht nach links aus. Wer auf der mittleren oder rechten Spur unterwegs ist, fährt nach rechts.
  • Im Prinzip gleich ist es auf vierspurigen Autobahnen. Autofahrer auf der äußersten linken Spur fahren nach links, die auf den übrigen Spuren nach rechts.
  • Die Standspur auf Autobahnen ist freizuhalten.
  • Prüfen Sie vor der Weiterfahrt, ob nicht noch weitere Rettungsfahrzeuge unterwegs sind.
(Quelle: ADAC)


17.08.2017 14:13 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass auf vierspurigen Straßen die Rettungsgasse in der Mitte zu bilden sei. In den Kommentaren hat uns ein Leser dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass diese Vorgabe veraltet ist: Seit dem 1. 1. 2017 gilt laut Paragraph 11 der Straßenverkehrsordnung: Die Rettungsgasse ist zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen zu bilden.

 

Die Grafik zeigt, wie eine Rettungsgasse zu bilden ist. © NDR

Rettungsgasse: So wird's gemacht!

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Rettungskräfte müssen schnell zum Unfallort. Dafür müssen Autofahrer eine Rettungsgasse bilden. Wir zeigen, wie es auf einer vierspurigen Autobahn richtig funktioniert.

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Hallo Niedersachsen | 17.08.2017 | 19:30 Uhr

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