Stand: 17.06.2015 13:36 Uhr

Minus 162 Grad für die "Ostfriesland"

Der Diesel-Gestank gehört der Vergangenheit an, und 900.000 Borkum-Passagiere fahren ab sofort umweltfreundlicher auf die größte der Ostfriesischen Inseln: Die Reederei AG Ems nimmt heute offiziell die umgebaute Flüssigerdgas-Fähre "Ostfriesland" in Betrieb. Bevor sie in zwei Tagen die ersten Passagiere und Autos mit an Bord nimmt, legte sie nach fast zwei Jahren Umbauzeit zur Jungfernfahrt im Emder Hafen ab. Sie ist nach Unternehmensangaben das erste Schiff unter deutscher Flagge, das mit umweltfreundlichem Flüssigerdgas, kurz LNG, betrieben wird. Der Umbau sei sogar europaweit einzigartig und hat nach Reedereiangaben 13,5 Millionen Euro gekostet, die EU gab einen Zuschuss von drei Millionen Euro.

Die "neue" Ostfriesland mit sauberem Antrieb

Noch fehlen "Tankstellen"

Damit die "Ostfriesland" mit dem neuen Antrieb ausgestattet werden konnte, hat sie in der Werft ein komplett neues Heck erhalten. Dadurch, dass Flüssigerdgas statt Schiffsdiesel zum Einsatz kommt, stoße das Schiff nun deutlich weniger Schadstoffe aus, heißt es vonseiten der Reederei. Mit dem Flüssigerdgas-Antrieb würden demnach rund 20 Prozent weniger Kohlendioxid ausgestoßen, Stick- und Schwefeloxide würden sogar um mehr als 90 Prozent reduziert. Feinstaub entstehe überhaupt nicht mehr. Arne Fellermann, Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), begrüßt die Innovation: "Das sehen wir grundsätzlich als Verbesserung."

"Kinderkrankheiten" einer neuen Technologie

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Das Tochterunternehmen, die Reederei Cassen Eils, will in diesem Sommer zudem den Schiffsneubau "Helgoland" in Betrieb nehmen, der ebenfalls mit dem umweltfreundlichen Flüssigerdgas angetrieben wird. Feste Tankmöglichkeiten für die neuen Schiffe gibt es an der Küste allerdings noch nicht - das heißt, sie müssen mit Tankwagen beliefert werden. "Typische Kinderkrankheiten" einer neuen Technologie nennt das BUND-Experte Fellermann. "Dadurch, dass die Infrastruktur wie eben Tankstellen noch kaum vorhanden ist, wird wieder Extra-Verkehr erzeugt." Dennoch sehe er den Umbau erstmal positiv, sagt Fellermann. Nach Angaben des maritimen Kompetenzzentrums in Leer soll jedenfalls schon bald ein Flüssiggasterminal gebaut werden - möglicherweise in Wilhelmshaven oder Brunsbüttel (Schlewig-Holstein). Von dort aus müssten jedoch sogenannte Bunkerschiffe die Versorgung übernehmen.

Flüssige Gase als Energiequellen

LNG steht für Liquefied Natural Gas. Das ist Erdgas, das auf etwa minus 162 Grad Celsius abgekühlt und dadurch flüssig wird. Dabei sinkt das ursprüngliche Volumen erheblich und kann in Tankern über große Entfernungen befördert werden. LNG kann normal in das Gasnetz eingespeist und für Kraftwerke oder Industrieanlagen benutzt werden. Zunehmend wird auch seine Nutzung für Schiffe, schwere Lastwagen und Lokomotiven erprobt. Durch den Einsatz von LNG alsTreibstoff könnten in der Schifffahrt die Emissionen von CO2 um 30 Prozent sowie von Schwefeldioxid, Feinstaub und Stickoxiden um mehr als 90 Prozent sinken.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.06.2015 | 08:00 Uhr