Stand: 02.09.2015 15:24 Uhr

Meyer Werft: Minister Lies bedauert neuen Firmensitz

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Werftchef Bernard Meyer (rechts) hat seinen Firmensitz nach Luxemburg verlegt - zum Unmut von Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD, links). (Archivbild)

Die Papenburger Meyer Werft wird ihren nach Luxemburg verlegten Firmensitz dort belassen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte vergeblich versucht, das Unternehmen umzustimmen. Die Meyer Werft hatte den Schritt bereits Ende vergangenen Jahres vollzogen, eigenen Angaben zufolge, um einen Aufsichtsrat in Deutschland zu umgehen. Kein Unternehmensteil werde aus Deutschland verlagert, sagte Peter Hackmann, der Sprecher des Traditionsbetriebs: "Es ist kein Umzug." Die bisherige Holding für die Standorte Papenburg und Rostock werde ihren Sitz in Rostock behalten. Es solle aber eine weitere Holding geben, um die neu hinzugekommene Werft im finnischen Turku ins Unternehmen einzufügen.

Wirtschaftsminister bedauert Entscheidung der Werft

In einer ersten Reaktion sagte Wirtschaftsminister Lies dem NDR, er bedauere, dass die Meyer Werft bei ihrer Entscheidung bleibe. "Die Vermeidung eines Aufsichtsrates bleibt für mich als Begründung nicht überzeugend", so Lies. Man habe intensive Gespräche geführt, sei aber nicht zum gewünschten Ergebnis gekommen. Dass das Unternehmen sich an der Rettung der Nordseewerke in Emden beteiligt, weil sie dorthin Aufträge vergibt, sieht Lies jedoch nicht als Kompensationsgeschäft für die Verlegung des Firmensitzes nach Luxemburg an. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, so Lies. Man habe getrennte Verhandlungen geführt, über Luxemburg und über Emden. Die Landesregierung werde "selbstverständlich" die Zusammenarbeit mit der Werft fortsetzen, allerdings wünschte sich Minister Lies "eine bessere Basis für die Kommunikation": "Von dem längst erfolgten Schritt der Verlegung haben wir erst mehr als ein halbes Jahr später über die Medien erfahren, erst nachdem wichtige Entscheidungen mit weitreichenden Verpflichtungen des Landes wie dem Standortsicherungsvertrag und dem Masterplan Ems schon getroffen waren."

Kritik von der IG Metall

Die IG Metall hält die Verlegung für falsch. IG-Metall-Küste-Chef Meinhard Geiken sagte, die Meyer Werft sei eine der größten europäischen Werftengruppen. Dazu gehöre dann auch eine Unternehmensmitbestimmung über einen Aufsichtsrat. Dies sei nun nicht mehr möglich. Geiken forderte die Politik auf, diese rechtliche Lücke zu schließen. Der Papenburger Betriebsratsvorsitzende Ibrahim Ergin sagte, für die Arbeitnehmervertreter gehe es nun darum, auch künftig über die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens informiert zu werden, auch wenn die Konzernmutter in Luxemburg sitzen werde. Die Geschäftsleitung habe signalisiert, dass das auch geschehen solle. Nach Ansicht des Vorsitzenden des Betriebsrats der Rostocker Neptun Werft, Detlef Schüler, hat die Gründung der Holding in Luxemburg keine Auswirkungen auf den Betrieb in Rostock. Die Entscheidung zur Verlegung sei im Betrieb intensiv diskutiert und letztlich zur Kenntnis genommen worden. "Die Musik spielt nach wie vor in Rostock, Papenburg und Turku", sagte Schüler.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.09.2015 | 07:00 Uhr